04/2019Top

“Wer das Universum versteht, kann damit im Gleichgewicht leben!”

Dank magneto-optischer Sensortechnologie wissen sie ganz genau, was sich beispielsweise im Inneren eines Kernreaktors abspielt. Mit ihrem Start-up “Garnet” sorgen zwei russische Nuklearphysiker von Graz aus für internationales Aufsehen. Einer der beiden, Alexey Katukhov, hat uns im Interview über seine Begeisterung für Technologie erzählt und was ihn dazu inspiriert, High-Tech-Lösungen für bedeutende Industrie-Unternehmen zu entwickeln.

Herr Katukhov, Sie waren international bei unterschiedlichen renommierten Unternehmen aktiv – wie sind Sie dazu gekommen selbst eines zu gründen?

Dazu habe ich mich entschieden, als ich 2017 meinen jetzigen Geschäftspartner Konstantin Shavrin traf, den Besitzer des Forschungsinsituts für Werkstoffkunde und Technologie (RIMST). RIMST verfügt über einzigartige Expertisen im Bereich Photonik, wofür ich sofort riesiges Potenzial auf dem Markt sah.

Und warum hat es Sie mit Ihrem Unternehmen ausgerechnet nach Graz verschlagen?

Mit unserem Unternehmen (Garnet) sind wir im Bereich Messung und Sensoren tätig, da ist die Steiermark genau der richtige Ort, um solch ein Unternehmen zu starten. Schließlich kommen etwa 50% der weltweit wichtigsten RFID- und NFC-Unternehmen aus dieser Region in den “Silicon Alps”. Österreich hat sowohl die technische als auch die innovative Infrastruktur, um Technologie-Start-ups zu unterstützen. Zudem spürt man die Ambition einer der weltweit führenden Standorte für neue Technologie-Unternehmen zu werden. Insgesamt erzeugt dies einen äußerst fruchtbaren Boden für das Wachstum der Technologie-Industrie. Garnet wollte ich von Anfang an zu einem globalen Technologie-Integrator machen und hier wird unsere Arbeit vom European Space Agency Business Incubation Centre Austria (ESA BIC Austria) und Science Park Graz (SPG) unterstützt.

In welchen Anwendungsbereichen wird Ihre Technologie bereits verwendet? Wo sehen Sie Ihr Unternehmens in Zukunft?

In diesem Jahr haben wir eine Kooperationsvereinbarung mit dem Insitut für Nuklearphysik (INFN) in Italien geschlossen. Zudem haben wir eine erste Lieferung von speziellen Kristallen, die bei grundlegenden Experimenten für das Finden der Masse von Neutrinos eingesetzt werden, gemacht. Für nächstes Jahr planen wir eine Daten-Kennzeichnung für die Stahlindustrie und wollen mit der Entwicklung einer Auffindungsmatrix für Cargo-Unternehmen starten. Derzeit befinden wir uns mit Garnet in einer wichtigen und gleichzeitig schwierigen Phase, nämlich der Vermarktung bzw. der Etablierung unseres Unternehmens. Als junges Unternehmen mit limitierten finanziellen Möglichkeiten arbeiten wir aber sehr hart für unseren Erfolg.

Ihren Produkten wird das Potenzial zugeschrieben die Raumfahrt ebenso wie andere High-Tech-Industriebereiche nachhaltig zu verändern – worin liegen Ihre größten Hoffnungen?

Der Schlüssel für Unternehmen, um wettbewerbstauglich zu bleiben, sind Daten. Die derzeit gängigen Kennzeichnungs- bzw. Messungslösungen wie RFID der NFC stoßen bei hohen Temperaturen, radioaktiver Strahlung und elektro-magnetischen Einflüssen allerdings an ihre Grenzen. Unsere Produkte sind hingegen dazu in der Lage, auch unter Extrembedingungen große Mengen an Daten zu verarbeiten. Interessant sind sie dadurch beispielsweise bei der Stahlerzeugung oder in der Chemie-Industrie. Haben wir uns Referenzen in derart spezialisierten Gebieten erarbeitet, ist es natürlich unser Ziel zu den weltweit wichtigsten Lösungsanbietern zu werden.

Was inspiriert Sie bei Ihrer Arbeit besonders? 

Nuklearphysik behandelt zahlreiche Themen, die für unsere Zivilisation von fundamentaler Bedeutung sind. Dabei geht es um Energiegewinnung genauso wie um Anwendungen im Gesundheitsbereich, zum Beispiel zur Krebsdiagnose oder -behandlung, außerdem forscht man zu grundlegenden Fragen über unser Universum. Aber im Grunde habe ich eine Leidenschaft für Technik im Allgemeinen und bin fest davon überzeugt, dass Technologie ein wichtiger Eckpfeiler für die globale Entwicklung ebenso wie für das Verständnis des Universums ist. Und umso besser wir das Universum verstehen, umso besser können wir damit im Gleichgewicht leben.

 

Zur Person 

garnet alexey kathukhov science park graz
Garnet-Gründer Alexey Katukhov (Mitte) mit Vertretern der European Space Agency / Science Park Graz / Foto: facebook.com/garnetgmbh
Alexey Katukhov wurde ich 1982 in Tula, einer mittelgroßen Stadt rund 200 Kilometer südlich von Moskau, geboren. Seine Leidenschaft für Nuklearphysik begann im Alter von 16 Jahren. Im Rahmen eines einjährigen Austauschprogramms kam er in die USA, wo ihn der dortige Physiklehrer zunehmend für das Feld begeistern konnte. Nachdem er sein Studium an der Nationalen Universität für Nuklearforschung mit dem Schwerpunkt Nuklearreaktoren und Energiegewinnung abgeschlossen hatte, belegte er das Fach “Internationale Angelegenheiten” an der Georgetown University in Washington (USA). Anschließend sammelte er Berufserfahrung in den USA, Kanada und Russland, bis er 2011 wegen seiner Tätigkeit für die Internationale Atomenergie Behörde (IAEA) nach Wien kam. Danach arbeitete er für den staatlichen russischen Energiekonzern ROSATOM, wo er als Leiter der Technologievermarktung Nuleartechnik in andere Länder exportierte. Unternehmen: www.facebook.com/GarnetGmbH

 

 

Voriger Beitrag

Faire und nachhaltige Mode "made in Austria"

Nächster Beitrag

This is the most recent story.