02/2017

Hightech und Handwerk werden “HighCraft”

Der Zukunftstag der steirischen Wirtschaft zeigt Möglichkeiten und Entwicklungen der Digitalisierung im traditionellen Handwerk.

Holger-Schmidt

Für Holger Schmidt, den deutschen Netzökonom, Wirtschaftsjournalisten, Buchautor und Keynote-Speaker des Zukunftstages der steirschen Wirtschaft ist die Sache klar: “Das Handwerk hat zwei Möglichkeiten, mit der Digitalisierung umzugehen: die Chancen nutzen oder darauf warten, bis Innovatoren mit neuen Technologien in den Markt einsteigen.” Erste Beispiele dafür gibt es bereits. Etwa maßgefertigte Schuhe auf Basis eines 3-D-Scans des Kundenfußes. Mit diesen Daten wird der Leisten, also das Modell, anhand dessen der Schuh genäht wird, einfach im 3-D-Drucker ausgedruckt. Ergebnis: ein perfekt sitzender Maßschuh zu Preisen, die sich dem Massenmarkt nähern. Oder ein Roboter, der in zwei Tagen nahezu selbstständig ein Haus aufmauert. Das Gerät heißt Hadrian – nach dem römischen Kaiser, der einen Schutzwall auf der britischen Insel bauen ließ – und werkt in Australien. Im Prinzip ist Hadrian ein Bagger mit 28 Meter langem Teleskoparm, der automatisch 3-D-Baupläne abarbeitet. Er soll helfen, den Facharbeitermangel in Australien zu beseitigen.

Neue Geschäftsmodelle

Aber nicht alles, was Digitalisierung im Handwerk ist, muss gleich roboterhaft daherkommen. Manchmal bedeutet es auch einfach das Etablieren neuer Geschäftsmodelle. Holger Schmidt bringt ein Beispiel: “Thermondo, der erste flächendeckend anbietende Handwerksbetrieb in Deutschland, der den Heizungs- und Energiemarkt aufrollen wird. Das Unternehmen arbeitet mit fest angestellten Installateuren, aber ohne Lager. Die komplette Einsatzplanung übernimmt ein eigens dafür entwickelter Algorithmus.” Auch könnten auf Algorithmen basierende Mietmodelle für Werkzeuge die Kosten deutlich senken. Wir stehen noch am Anfang dieser Entwicklung, die das traditionelle Handwerk nicht unberührt lassen wird. Darauf wird auch schon in der New Economy reagiert. “Amazon erzielt 45 Prozent Wachstum im Heimwerkersegment und das Silicon Valley investiert kräftig in Drohnen, die künftig zeitlich befristet benötigtes Werkzeug vorbeibringen”, so Holger Schmidt. “Die Sharing-Economy erfasst dann auch das Handwerk.”

Hightech heute

Wie kreative Ideen zusammen mit Hightech und Handwerk heute schon die Gebäude der Zukunft entstehen lassen, zeigt der renommierte Architekt Klaus Kada in seiner Keynote am Zukunftstag. Um die Entsorgung der dabei anfallenden Baureste – und natürlich aller anderen Abfälle – kümmert sich dann Saubermacher. Übrigens auch mit digitalem Management ganz bequem und individuell von zu Hause aus. Vorstand Ralf Mittermayr erklärt, wie das mit der “wastebox” funktioniert. Alexander Wankhammer und sein sonible-Team haben die Kombination von Hightech und Handwerk akustisch auf die Spitze getrieben. Sie erzeugen 3-D-Raumklänge in Kinoqualität mit nur einer einzigen Lautsprecherbox. Auch wie das funktioniert, erfahren Sie am Zukunftstag.

Aktive Kommunikation

Der Zukunftstag, organisiert von Steirischer Wirtschaftsförderung SFG in Zusammenarbeit mit den Clustern und Netzwerken, dem Internationalisierungscenter Steiermark und der Industriellenvereinigung Steiermark, ist auch und vor allem ein Netzwerktag. Und das in mehrfacher Hinsicht: hier präsentieren sich die  heimischen Cluster und Netzwerke sowohl auf der Bühne als auch im Zukunftslabor, wo es Dinge zu bestaunen gibt, die man so noch nicht gesehen hat. Vom Rennwagen mit offenem Innenleben über mobile Mietgasspeicher für ausfallende Blockheizkraftwerke bis zur faszinierenden Welt der Spektralfarbenanalyse mit all ihren Möglichkeiten – um nur einige zu nennen. Netzwerken werden hier aber auch die teilnehmenden Unternehmer, Führungskräfte und Entscheidungsträger aus Wissenschaft und Wirtschaft – und natürlich alle Handwerker, die wissen wollen, was ihnen die Zukunft bringt. Dafür gibt es sogar ein professionell organisiertes Speed-Networking. Anmelden, Profil ausfüllen und 15 Minuten hoch effiziente B2B-Gespräche am Zukunftstag nutzen. Natürlich sind genug Gelegenheiten eingeplant, auch ganz spontan neue interessante Kontakte zu knüpfen.

Der Eintritt zum Zukunftstag ist übrigens frei, nur eine Anmeldung ist notwendig.

 

5. Zukunftstag der steirischen Wirtschaft
am 21. Juni ab 9.00 Uhr im Messe Congress Graz

Alle Informationen und Anmeldung:

https://www.sfg.at
Ulrike Lackner

Tel: 0316/7093-306

Mail: zukunftstag@sfg.at

 

Drei Fragen an …

… Holger Schmidt

1. Welche Chancen bietet die Digitalisierung für das Handwerk?

Ich sehe zwei wesentliche Chancen: Erstens öffnen Plattformen dem Handwerk neue Vertriebswege, zweitens nehmen digitale Produktionstechniken dem Handwerker viele einfache Tätigkeiten ab, damit er sich auf seine wahren Talente konzentrieren kann.

 2. Welche Risiken – Stichwort Jobkiller?

Maschinen übernehmen immer mehr Routinetätigkeiten, die oft beschwerlich, manchmal gefährlich und fast immer langweilig sind. Handwerker sollten sich auf die Dinge konzentrieren, die sie besser können als Maschinen. Davon gibt es gerade im Handwerk sehr viele. Die Gefahr des Jobkillers sehe ich gerade im Handwerk als gering an.

3. Wie können sich klassische Handwerksbetriebe die Digitalisierung heute schon im täglichen Arbeitsalltag zunutze machen?

Über das Internet neue Kunden gewinnen und individuelle Produktion ermöglichen. Der technische Fortschritt darf am Handwerk nicht vorbei gehen – sonst lässt man viele Chancen liegen, die dann irgendein Start-up ergreift.

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