06/2017

“Wirtschaftskontakte sind unser Lebenselixier”

Günter Schweigler, Direktor der HTBLA Kaindorf, im Gespräch über Zukunftschancen, Verbindungen zur Wirtschaft und den Kampf gegen Rollenklischees.

© Foto Sulzer
Direktor Hofrat Mag. Günter Schweigler

Warum sollten sich junge Menschen für technische und naturwissenschaftliche Berufe interessieren?

Günter Schweigler: Es geht um persönliche Schicksale. Es ist wichtig, als 18- oder 19-Jähriger eine sichere berufliche Zukunft zu haben. Mit einer Ausbildung wie wir sie bieten, hat man ein Lebensfundament. Natürlich ändern Dinge sich und man wird wahrscheinlich nicht sein Leben lang das gleiche machen, aber man braucht diese Basis, von der aus man sich bewegen und im Berufsleben weiterkommen kann. Dafür ist die Informatik die Grundlage, ohne die in Zukunft nichts mehr gehen wird, siehe Industrie 4.0.

Dann übernehmen wir gleich das Stichwort Industrie 4.0:

Schweigler: Die Informatik und damit die Digitalisierung spielen in alle unsere Zweige stark hinein, natürlich auch in die Automatisierung und in die Mechatronik. Darauf stellen wir uns ein, und wir sind auf die Industrie 4.0 gut vorbereitet. Dafür organisieren wir auch selbst Fortbildungen über unsere Wirtschaftskontakte. Wir müssen immer am Puls der Zeit sein. In unseren Anfängen haben wir uns auf das Programmieren und Homepages gestürzt, danach auf mobile Technologien. Das passiert jetzt eben im Bereich Internet of Things, Produktion und Logistik der Zukunft.

Warum sollten mehr Frauen in die Technik?

Schweigler: Wie schon erwähnt ist eine berufliche Basis existenziell. Daneben tut das auch dem Arbeitsklima gut, wenn beide Geschlechter vertreten sind. Egal, ob im Klassenzimmer oder im Unternehmen. Das Klima wird angenehmer, wärmer. Außerdem brauchen wir das Potenzial für die heimische Wirtschaft. Wenn mehr Frauen sich für Technik interessieren, kann das allgemein nur gut für alle sein.

Warum gibt es noch nicht mehr Frauen in diesen Bereichen?

Schweigler: Das hängt stark mit festgefahrenen Bildern zusammen. “Mädchen sind eben nicht so für Mathematik geeignet” – das sind Rollenklischees, die von Kindesbeinen an in den Menschen liegen. Wir bemühen uns natürlich, diesen Trend umzukehren. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass auch Mädchen Spaß an der Mathematik haben und brillante Leistungen abliefern. Das in die breite Masse zu bringen, ist unsere Aufgabe für die Zukunft. Aber ohne Eltern geht gar nichts. Sie sollten nicht vermitteln: “Was hatte ich für eine Angst vor Mathematik.” Eltern müssen sich überlegen, ob sie mit den Rollenklischees mitschwimmen oder nicht.

Wie macht man Technik, Mathematik und Naturwissenschaften attraktiver für junge Menschen?

Schweigler: Das gelingt am besten, wenn man ganz früh ansetzt. Im Kindergarten spielerisch anfangen und Spaß mit Mathematik oder physikalischen Experimenten haben. Spätestens in der Volksschule abseits von den Grundrechnungsarten einen Bereich einrichten, wo man mit Mathematik Spaß haben kann und auf diese Weise einen neuen Zugang zur klassischen Mathematik schaffen. Es gibt einige Denkströmungen und Institute, die das schon angehen.

Was bringt Take Tech?

Schweigler: Wirtschaftskontakte sind für uns das Lebenselixier. Wir wollen nicht dafür ausbilden, dass man nachher mit dem Wissen zu Hause sitzt, weil man es nicht anwenden kann. Aktionen wie Take Tech sind dabei wertvolle Bausteine. Sie motivieren uns, in die Unternehmen zu gehen. Darüber hinaus schaffen die vorgeschriebenen Ferialpraktika und die Diplomarbeiten den Schulterschluss zwischen den heimischen Betrieben und uns als HTL. Hier bekommen die Burschen und Mädchen hautnah mit, was es bedeutet, in der Wirtschaft zu sein, und sie kennen sich aus, wenn sie uns verlassen.

Die Wirtschaft braucht weit mehr Absolventen, als Sie liefern können. Wie reagieren Sie auf die starke Nachfrage?

Schweigler: Wir betrachten uns als EDV-HTL, die für die Wünsche der Wirtschaft offen ist. In unserer Abteilung für Informatik haben wir deshalb über die letzten Jahre hinweg eine zusätzliche vierte Klasse eröffnet. Damit werden in Zukunft wesentlich mehr Absolventinnen und Absolventen unsere Schule verlassen.

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