02/2017

Starker (Finanzierungs-)Partner an Bord

Die Steirische Wirtschaftsförderung SFG vergibt nicht nur Förderungen. Sie ist auch an heimischen Unternehmen beteiligt.

Das ist ein Gewinn für beide Seiten.

Manfred Brandner ist ziemlich sicher: “Ohne die stille Beteiligung der SFG wäre es uns wohl nicht gelungen, hier so erfolgreich zu sein und Arbeitsplätze zu halten und sogar auszubauen.”

Doch der Reihe nach: Wir schreiben das Jahr 2016. Die Bit-Gruppe, der wohl bekannteste private heimische Bildungsanbieter, steht vor großen Umwälzungen. Der bisherige Eigentümer trägt sich mit dem Gedanken, Teile seines Unternehmens zu verkaufen. Brandner ist Mitglied des Vorstandes der Bit-Gruppe und würde die E-Learning-Sparte namens “eee Group” übernehmen. Das Problem: für die Transaktion  fehlt etwa eine Million Euro. Die Lösung: eine stille Beteiligung der SFG. Sie ermöglicht es Brandner, seinen Plan zu verwirklichen.

Der Erfolg in Zahlen: fünf Tochterunternehmen in Österreich, Deutschland, Schweiz, dem Kosovo und Albanien, mehr als 140 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz von etwa 13 Millionen Euro. Eine Erfolgsgeschichte also.

Nur, was hat die SFG – und damit der Steuerzahler – davon? “Neben den wirtschaftlichen Kriterien, die wir wie jeder Investor prüfen, haben wir die heimische Wertschöpfung und Beschäftigungskriterien im Auge. Zusätzlich erhalten wir eine marktkonforme Verzinsung und eine Erfolgsbeteiligung”, erklärt Alexander Schwarz, Leiter des Geschäftsfeldes Finanzierungsvergabe bei der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG. “Deshalb sind für uns neben Innovations- und Wachstumsprojekten auch Betriebsnachfolgen ein Thema. Wir müssen verstärkt darauf schauen, dass die Unternehmen in heimischer Hand bleiben.”

 

Start in den Weltmarkt

Stille Beteiligungen heißen so, weil der Beteiligte nicht im Firmenbuch aufscheint, und nicht, weil er nichts zu sagen hat. Ganz im Gegenteil. Für diese Form der Finanzierung ist das Unternehmen zu regelmäßigen Reportings verpflichtet. Was durchaus seine positiven Seiten hat, vor allem bei jungen Unternehmen, wie David Ram von Tyromotion erklärt: “Die Einführung dieses Berichtswesens war für uns natürlich ein Aufwand, aber er führte zu einer Professionalisierung im Unternehmen, vor allem in Hinblick auf interne Kontrollsysteme.”

Tyromotion ist geradezu das Paradebeispiel für eine gelungene Beteiligungspolitik. Vor mehr als 10 Jahren als Spin-off der TU Graz im Science Park gestartet, war Tyromotion eines der ersten Unternehmen, das vom Seed-Kapital-Programm der SFG profitierte. Dieses Venture-Capital-Programm ist speziell für neue Kleinstunternehmen mit einem Kapitalbedarf von maximal 300.000 Euro ausgerichtet. Gerade für junge Unternehmen im Hightech-Bereich mit ihren hohen Anfangsinvestitionen sind solche Beteiligungen oft überlebenswichtig. Sie erhöhen die Eigenkapital-Quote und sind oft Basis für weitere Finanzierungen am Kapitalmarkt. Diesen Anfängen ist Tyromotion längst entwachsen. Heute ist es eines der weltweit führenden Unternehmen für robotik- und computerunterstützte Therapiegeräte und beschäftigt mehr als 50 Mitarbeiter in Österreich und den USA. Für diesen Übersee-Start hat sich die SFG erst kürzlich wieder als Stiller Gesellschafter an Tyromotion beteiligt.

Innovationen ermöglichen

Nicht nur Start-ups oder Betriebsnachfolgen profitieren von den Beteiligungsinstrumenten der SFG. Renommierte Unternehmen wie PTH Products Maschinenbau GmbH aus Neuberg an der Mürz nutzen sie, um Innovationen voranzutreiben und am Markt zu etablieren. PTH entwickelt und baut Spezialmaschinen für unterschiedlichste Einsatzzwecke. 2013 kommt es zur Stillen Beteiligung der SFG, um die Serienentwicklung und Markteinführung eines völlig neuen Produktes zu ermöglichen. Der HYMOG E331 ist ein Multifunktionsgeräteträger, vor allem für den Einsatz bei Rettungsorganisationen, im Agrarbereich, Kommunalbereich, Tunnel- und Bergbau.

Im Prinzip ein kleines, ferngesteuertes Fahrzeug mit Hybridantrieb aus Verbrenner- und Elektromotor, das je nach Einsatzbereich mit allen möglichen Werkzeugen bestückt werden kann. Von Baggerschaufel über Schneefräse bis zur Löschanlage – beinahe alles ist möglich. “Die stille Beteiligung durch die SFG hat uns in einer sehr wichtigen Phase gestärkt, in der hohe Entwicklungskosten unsere Liquidität extrem belastet haben”, erklärt Geschäftsführer Jakob Holzer.

Derzeit hält die SFG 40 Beteiligungen im Gesamtvolumen von mehr als neun Millionen Euro. In so gut wie allen Fällen ein Gewinn für alle Beteiligten.

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