04/2017

Stammgast im Vatikan und den großen Bibliotheken der Welt

Eine Gratkorner Druckerei ist weltweit führend in der Produktion originalgetreuer Kopien wertvoller Handschriften und macht damit unschätzbare Kunstwerke für die Nachwelt zugänglich.

© platinium
Walter Pietsch mit Harald Lang und dem Geschäftsführer der „Styriaprint“, Roland Schachner mit kostbaren Druckprodukten.

Es geht um alte Handschriften, Atlanten, Dokumente, Bilder und andere Schriftstücke. Die meisten mindestens ein halbes Jahrtausend alt und von Mönchen kunstvoll von Hand auf Pergament geschrieben. Die unschätzbar wertvollen Einzelstücke werden in den wichtigsten Archiven der Welt, etwa im Vatikan, Metropolitan Museum New York oder der Eremitage in St. Petersburg verwahrt. Nur wenigen Menschen sind diese Kunstschätze zugänglich. Einer davon ist Walter Pietsch. “Natürlich gibt es überall strengste Sicherheitsvorkehrungen. Allerdings sind wir nach so vielen Jahren schon so bekannt, dass wir zum Beispiel in den Archiven des Vatikans auch schon ohne Bewachung arbeiten durften”, erzählt er. Sein Auftrag: Erstellen einer exakten Kopie des Originals. Dafür kommen er und sein Team meist zu den Kunstwerken. Nur ganz selten kommen die Originale in die Steiermark zu seiner Druckerei namens Platinium. Zu wertvoll sind die Schriften. Walter Pietsch bringt ein Beispiel: “Das Stundenbuch der Katharina von Kleve, ein reich illustriertes Stundenbuch aus dem 15. Jahrhundert, wurde zur Aufnahme zu uns gebracht. Dafür wurde es auf 50 Millionen Dollar versichert.”

Druck von Gold, Silber und Schmutz

Bücherwippe klein ©PEKUP
Bücherwippe: Auf einem speziellen Kameratisch wird das Original schonend fotografiert.

 

Theoretisch ist die Erstellung eines Faksimiles einfach: jedes Blatt abfotografieren, drucken, binden und fertig. Praktisch sieht die Sache ganz anders aus. Das fängt schon beim Fotografieren an. Die Verwendung herkömmlicher Blitze ist tabu. Die wertvollen Schriften dürfen keinem grellen Licht oder Wärme beziehungsweise mechanischen Belastungen beim Aufnehmen ausgesetzt werden. Deshalb kommen ein speziell dafür zusammen mit der Uni-Bibliothek Graz entwickelter Aufnahmetisch und Kameras mit höchster Auflösung und Lichtempfindlichkeit zum Einsatz. Danach wird ein Probedruck von allen Seiten gemacht. Diese werden mit dem Original verglichen und die Bilddaten so lange nachbearbeitet, bis sie mit dem Original zu annähernd hundert Prozent übereinstimmen. Erst dann beginnt der eigentliche Druck. Auch der ist eine Eigenentwicklung. Das Platinium-Verfahren ermöglicht es, sogar Gold- und Silberfolien, die oft als Dekoration bei alten Büchern verwendet wurden, aufzudrucken. “Zum Schluss drucken wir mit unserem speziellen Verfahren sogar noch die Patina, sozusagen die Alterungsspuren auf das Papier. Und Risse oder Wurmlöcher im Pergament müssen auch dem Original entsprechen”, erzählt Pietsch. Natürlich ist auch das von Platinium verwendete Papier speziell. Die Originale sind meist auf Pergament geschrieben, also hauchdünnen Tierhäuten. Das Faksimile-Papier sieht aus, fühlt sich an und klingt beim Umblättern sogar wie Pergament.

 

Portolan-Atlas © platinium
Portolan-Atlas

Portolan-Atlas © platinium
Portolan-Atlas

Hildesheimer Kalendarium © platinium
Hildesheimer Kalendarium

Für Sammler und Lehre

Die Faksimiles von Platinium bekommen dann von speziellen Buchbindern noch den originalgetreuen Einband und sind dann fertig zum Verkauf an Sammler oder Kultureinrichtungen. Bis ein Faksilmile fertig ist, vergehen Monate, manchmal Jahre und der Aufwand hat seinen Preis: von etwa 5.000 bis über 30.000 Euro kosten die streng limitierten und nummerierten Werke von Platinium, die nur bei speziellen Verlagen gekauft werden können. Platinium ist aber auch eine Druckerei für ganz „normale“ Kunden. Und die profitieren dann vom gleichen Druck-Know-how wie der Vatikan oder die Eremitage. In Kooperation mit dem Schwesterunternehmen Styriaprint gibt es auch ganz spezielle Verpackungen – mit und ohne Patina.

www.platinium.at

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