03/2018Top

Partner für das Eiweiß-Google

„Das Ziel ist die Einladung zum zweiten Gespräch“, heißt es im Coaching für erfolgreiches Pitching. Genau das ist dem Grazer Start-up Innophore bei seiner ersten Präsentation in der Grazer Stadthalle gelungen.

© Science Park Graz
Innophore-Gründer Dr. Christian Gruber, Prof. Karl Gruber und Dr. Georg Steinkellner (v.l.n.r.)

War es Glück? „Schwer zu sagen“, meint Christian Gruber, einer der Geschäftsführer von Innophore. „Ein wenig Glück gehört wohl auch dazu. Ebenso wie Sympathie für das Projekt und das Team.“  Auf Nachfrage nennt er dann aber doch ein seiner Ansicht nach wesentliches Erfolgskriterium, das bei Pitchings oft unterschätzt und vernachlässigt werde: „Man muss die Geschäftsidee klar kommunizieren. Das ist für Menschen, die aus der Wissenschaft und Technik kommen, oft schwer, weil ihr Projekt komplex ist. Aber bei einer Präsentation geht es nicht um Forschung, sondern um die Unternehmensgründung.“

In dieser Early-Stage-Phase habe er auch den Austausch mit anderen GründerInnen im Rahmen der iCONTACT-Veranstaltung  sehr positiv erlebt. Eine Erkenntnis aus den Gesprächen: „Es gibt kein Schema F für die Gründung. Es ist immer anders.“

Für den Wissenschaftler erwies sich die Teilnahme an iCONTACT jedenfalls als Beginn einer gewinnbringenden Partnerschaft, die sich nun auf die Entwicklung einer alternativen Enzymplattform für industrielle Anwendungen konzentriert.

Eiweiß-Google

Enzyme sind Eiweiß-Moleküle, welche die biochemischen Vorgänge in lebenden Organismen maßgeblich beeinflussen. Da dieses Potenzial künftig bei der Produktion von Lebensmitteln oder Medikamenten stärker genutzt werden soll, gewinnen Enzyme als umweltfreundliche Bestandteile industrieller Verfahren in der pharmazeutischen und chemischen Industrie immer größere Bedeutung. Die Suche nach industriell benötigten Enzymfunktionen im Labor gestaltet sich allerdings extrem aufwendig.

Daher entwickelten Gruber und andere Wissenschaftler am Grazer Forschungsinstitut acib und an der Universität Graz einen Mix aus Datenbank und Suchmaschine. „Enzym-Google macht es möglich, am Computer alternative Enzyme zu bestehenden Prozessen zu identifizieren und damit Verfahren zu optimieren oder bestimmte Prozesse überhaupt erst zu ermöglichen“, so Christian Gruber, Karl Gruber und Georg Steinkellner, die Gründer von Innophore.

© Science Park Graz

Wissenschaft und Wirtschaft

 Die fachliche Expertise hatten sich die drei Enzymologen im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit erworben. Was dem Trio fehlte, waren Kapital und Know-how in der Unternehmensgründung und -führung.  Und genau darin liegt die Stärke von EOSS Industries, einem Grazer Investor mit Fokus auf Spin-offs und Management-Buy-outs im Technologie-Bereich.

„EOSS stellte das Kapital zur Verfügung und bringt sich vor allem bei finanziellen und rechtlichen Fragen in den operativen Betrieb ein“, beschreibt Gruber die Aktivitäten des strategischen Partners. Der Benefit zeigte sich gleich zu Beginn. „Wir waren noch nicht gründungsfähig, weil wir nicht über die Rechte an der entwickelten Technologie verfügten. Die Intellectual Property war im Eigentum der bisherigen Forschungseinrichtungen.“ Mithilfe des Investors und dessen Ressourcen in rechtlichen, insbesondere patent- und steuerrechtlichen Fragen, gelang es, eine für alle Beteiligten gute Lösung zu finden.

Vertrauensfrage

„Das Gefühl, dass die Zusammenarbeit gelingen kann, war von Anfang an da“, meint Gruber.  „Aber wie in allen Beziehungen braucht es Zeit und viele Gespräche auf beiden Seiten, damit das Vertrauen wächst.“ Ende 2017 hat Innophore als GmbH den entsprechenden rechtlich-organisatorischen Rahmen erhalten und ist mit vier Angestellten vom Science Park ins Stadtzentrum an den Firmensitz von EOSS Industries gesiedelt. Die nächsten Meilensteine? KundInnen mit einem innovativen Produkt zu überzeugen und nachhaltig zu wachsen.

Vor vier Jahren kamen die drei Wissenschaftler das erste Mal mit der Idee einer eigenen Firma in Berührung, die sie später in die Tat umgesetzt haben. Zunächst war es ein gemeinsames Projekt, das sich heute zu einer erfolgreichen Unternehmensgeschichte entwickelt hat. „Als Wissenschaftler haben wir das ‚Enzym-Google’ als wissenschaftliches Projekt gestartet und erfolgreich abgewickelt. 2014 bekamen wir auf der internationalen Pharma-Messe CPhI in Paris den ‚Global Innovation Award for Process Development’. Dort entstand erstmals die Idee einer kommerziellen Verwertung als eigenständiges Unternehmen, da die Jury aus hochrangigen Global Playern der Pharma- und Feinchemischen Industrie bestand“, so Gruber über den Beginn von Innophore.

Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.innophore.com/

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