02/2018

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Insekten statt Wiener Schnitzel – die wachsende nachhaltige Lebensmittelproduktion ist eine der größten Herausforderungen unseres Jahrhunderts.

Die Proteingewinnung aus Mehlwürmern könnte in Zukunft eine ressourcenschonende Alternative zu Fleisch und Co. darstellen.

„Du bist, was du isst“, lautet ein einfaches Sprichwort im Volksmund. In Zeiten, in denen Lebensmittelskandale, Überproduktion und fehlende Transparenz in der Wertschöpfungskette täglich auf dem Teller landen, ist der Wunsch nach nachhaltig produzierten und hochwertigen Nahrungsmitteln groß.

Noch ein weiterer Grund, warum Katharina Unger vor einigen Jahren in die Welt hinauszog, um sich mit alternativen Ernährungssystemen und neuartigen Nahrungsquellen auseinanderzusetzen, war, dass die Weltbevölkerung immer stärker wächst und man zukünftig auf zusätzliche Ressourcen zurückgreifen muss. Die herkömmliche Rinder- oder Schweinezucht bedarf enormer Futter- und Wassermengen, großer Flächen für Tierhaltung und viel Energie in der Weiterverarbeitung. Aufgrund schwindender ökologischer Rohstoffe und des Klimawandels wird es notwendig, Wege zu finden, um erneuerbare Nahrungsmittel zu produzieren. Als der studierten Industriedesignerin während ihres Aufenthaltes in Hongkong bewusst wurde, dass durch das enorme Bevölkerungswachstum der ökologische Fußabdruck, den wir auf der Erde hinterlassen, immer größer wird, hat sie sich mit Alternativen zur Lebensmittelproduktion auseinandergesetzt. Ungefähr zur gleichen Zeit hat sie das erste Mal eine Heuschrecke gegessen. „Dies war der Moment, der mein Leben verändert hat“, so Unger rückblickend.

© Livin Farms
Founder Katharina Unger mit dem Hive.

Der Mehlwurm: Ein Superfood 

In manchen Kulturen stehen Insekten regelmäßig auf dem Speiseplan. Dass Käfer und Co. als nahrhafte Proteinquelle dienen und verzehrt werden, ist hierzulande noch wenig verbreitet. Um die Welt künftig auch ernähren zu können, braucht es allerdings neue Methoden und Technologien. Urban Farming ist eine transparente, nachhaltige und platzsparende Möglichkeit, mit der KonsumentInnen sich selbst ernähren können. Katharina Unger, Gründerin von Livin Farms, hat ein Produkt entwickelt, mit dessen Hilfe man eine artgerechte Proteinerzeugung sicherstellt. Was man dazu benötigt, sind Insekten und ein spezielles Gerät, mit dem man diese kultivieren kann. Der „Hive“ entstand als Prototyp im Jahr 2013, knapp fünf Jahre später ging er serienmäßig in Produktion und wird mittlerweile weltweit verkauft. Darin züchtet man Mehlwürmer, die später als Nahrungsquelle für den eigenen Haushalt dienen sollen. Der Vorteil der Larven ist, dass diese die beste Kombination aus tierischen und pflanzlichen Proteinen enthalten sowie zahlreiche wertvolle Vitamine und zusätzliche Ballaststoffe aufweisen. Gerade jetzt, wo Superfoods im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde sind, werden Insekten als ein hochwertiger Energielieferant immer interessanter.

Kürbissuppe_Livin Farm
Kürbissuppe

Herbstsalat_Livin Farms
Herbstsalat

Risotto_Livin Farm
Risotto

Ein Gruß aus der Küche

Der Hive ist das erste Gerät, das Insektenproteine in Lebensmittelqualität herstellt. Hier werden die Mehlwürmer im gesamten Wachstumsprozess in einem weitgehend geschlossenen System inkubiert, nach rund 14 Wochen können diese geerntet werden. Die kleinen Tierchen sind genügsam, man benötigt wenig Platz, um diese artgerecht zu halten, und sie leben zum Großteil von dem, was an Küchenresten anfällt. Mehlwürmer gelten als sehr nahrhaft, sie haben einen nussigen Geschmack und eine knusprige Textur. Die Maschine erzeugt ein kontrolliertes Mikroklima, damit die Larven wachsen können. In verschiedenen Stationen werden sie dann durch den Reifungsprozess geführt, bis sie geerntet und gegessen werden können. Proteine nach Art des Hauses – und ohne Bedenken serviert.

LIVIN FARMS

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