03/2018Top

Musik, pressfrisch

Pressen statt streamen – lautet die Devise eines steirischen Unternehmens, das mit besonderem Handwerk und einer großen Portion Leidenschaft für Musik die Vinylschallplatte wieder salonfähig gemacht hat.

Musik hatte im Leben von Peter Wendler, Johann Fauster und Johann Koller immer schon einen festen Platz. Kein Wunder also, dass sich das Trio irgendwann dazu entschied, die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Treibende Kraft hinter dem steirischen Label war Dipl.-Ing. Peter Wendler, einer der Geschäftsführer von Austrovinyl, dessen Begeisterung und Musiksammlung gleichermaßen groß waren. Die Antwort auf die entscheidende Frage, warum die Vinylversion oftmals eine längere Erscheinungsdauer hat als die CD, schien aber alles andere als zufriedenstellend. Ein großer Engpass bei Presswerken und die Tatsache, dass dieses Handwerk im digitalen Zeitalter zu verschwinden droht, waren keine guten Startbedingungen für ein Jungunternehmen, das sich in dieses Metier wagt. Doch vor knapp zwei Jahren entschieden die Jugendfreunde sich dazu, ihre Idee gemeinsam in die Tat umzusetzen. Heute führen sie erfolgreich Österreichs einziges Vinylpresswerk und lassen die Schallplatten im wahrsten Sinne des Wortes wieder neu erklingen.

Peter Wendler, Johann Koller und Johann Fauster vor ihrem Presswerk (v.l.n.r.)
Peter Wendler, Johann Koller und Johann Fauster vor ihrem Presswerk (v.l.n.r.)

Handcrafted made in Austria

Vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung war es allerdings doch ein längerer Weg, da es keine Anleitung zum erfolgreichen Unternehmertum gab – lediglich die Mischung führte hier zum Erfolg. Ausgestattet mit einem guten Rhythmus- und Bauchgefühl, technischem Know-how und dem Mut, Neues zu wagen, machten die drei Musikfreaks sich ans Werk. Heute erinnert man sich noch stolz an die erste Austrovinyl-Pressung. „Das war Deladap, eine österreichische Gruppe. Wir sind hier ins kalte Wasser gesprungen, es war alles sehr kurzfristig“, erinnert sich Johann Koller.

Eine Firmengründung ist immer mit Risiko verbunden. Vor allem dann, wenn es sich um größere finanzielle Anschaffungen handelt. Bei der Vinylpressung hängen viele Prozesse zusammen, um eine einwandfreie Produktion sicherzustellen. Dahinter steckt nicht nur die notwendige Technik, sondern auch das Wissen, diese zu bedienen. In diesem Fall aber ist die Rechnung aufgegangen, und Austrovinyl produziert heute für eine Vielzahl unterschiedlicher KünstlerInnen. Das Team hat die Zeichen der Zeit erkannt und dort ein Angebot geschaffen, wo es heute wieder eine stärkere Nachfrage gibt. „Die KonsumentInnen möchten Musik angreifen, KünstlerInnen stehen heutzutage mehr im Vordergrund. Obwohl es zahlreiche Streaming-Dienste gibt, die kostenlos Lieder zur Verfügung stellen, haben wir bemerkt, dass dies den KonsumentInnen zu wenig ist. Die Vinylplatte hat momentan eine hohe Wertigkeit, auch die KünstlerInnen identifizieren sich stark damit“, sind sich die Gründer sicher. Eine moderne Anlagetechnik ermöglicht es, den kompletten Fertigungsprozess der Schallplatte anzubieten: Hier kommen Mastering, Lackschnitt, Galvanik, Pressung und Verpackung aus einer Hand. Klassisch schwarz, farbig, im Retro-Stil oder transparent – die Vinylschallplatten werden individuell gefertigt.

Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.austrovinyl.at/

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