Ausgabe 5

Mobilität als emotionales Thema

165AC_StyriaGestartet als Automobil-Netzwerk, hat der ACstyria seine Aktivitäten schon längst auf Schiene und Luft ausgeweitet. Der neue Geschäftsführer Wolfgang Vlasaty über Herausforderungen, Synergieeffekte und die Mobilität der Zukunft.

Was ist das Spannende an Ihrer neuen Aufgabe als Geschäftsführer des ACstyria?
Ich war die letzten 25 Jahre in der Automobilindustrie in verschiedenen Funktionen beschäftigt. Normalerweise hat man im Job aber immer aus der Sicht eines Unternehmens zu agieren. Das Spannende ist es nun, die gesamte Breite abzudecken. 250 Partnerunternehmen aus drei verschiedenen Mobilitätszweigen zu servicieren ist eine ganz andere Aufgabenstellung, die sehr reizvoll ist. Die Mischung aus Großbetrieben, KMU und den Bildungs- und Forschungseinrichtungen, hier übergreifende Projekte zu entwickeln, die einen Mehrwert für alle generieren, ist die nächste Herausforderung.

Welche Schwerpunkte setzen Sie?
Wir haben in der Steiermark den einzigen Cluster, der sich mit den Bereichen Automotive, Rail und Aerospace beschäftigt. Dieses Asset müssen wir nützen. Es gibt so viel Wissen in den einzelnen Branchen, die für die anderen wertvoll sein können. Im Prinzip sind die Herausforderungen für alle ähnlich, aber mit anderen Prioritäten und in anderer zeitlicher Abfolge. Zwei Beispiele: das Thema Leichtbau ist in der Luftfahrt seit Jahren Standard, in der Automobil- und der Railbranche ein großes Thema. Oder Globalisierung – hier gibt es in der Automobilbranche großes Know-how, während das Thema für andere noch Neuland ist. Die Quervernetzung wird definitiv ein großer Schwerpunkt meiner zukünftigen Arbeit.

Sie kommen aus dem automotiven Bereich – wie ist Ihr Zugang zu Eisenbahn und Fliegerei?
Richtig, ich bin sozusagen ein „automotive guy“. In den letzten Jahren war ich sehr viel international unterwegs, da entwickelt man automatisch einen Bezug zur Fliegerei. Die Flugzeugbranche interessiert mich privat seit vielen Jahren, jetzt darf ich dieser Leidenschaft auch beruflich nachgehen. Eisenbahn ist Neuland für mich, aber die Hochgeschwindigkeitszüge und die damit verbundene Technologie finde ich schon faszinierend.

Was sind die Hauptaufgaben des Clusters in den nächsten Jahren – auch in Hinblick auf Industrie 4.0?
Die kommenden Jahre werden die Industrie und damit das Arbeitsleben vieler Menschen verändern. Als Cluster ist es unsere Aufgabe, unsere Partnerunternehmen bei diesem Wandel bestmöglich zu unterstützen. Wir werden verstärkt in das Thema Qualifizierung gehen, um unseren Partnerunternehmen Lernplattformen anzubieten. Industrie 4.0 oder Smart Production ist da ein wesentliches Thema. Gott sei Dank haben wir in der Steiermark mit der FH Joanneum und der TU Graz tolle Bildungs- und Forschungseinrichtungen, mit denen wir zusammenarbeiten können.

Wie sieht unsere Mobilität im Jahr 2050 aus Ihrer Sicht aus?
Gute Frage. Wenn ich mir Autos vorstelle, die nur mehr selbstfahrende Transporträume sind, wo man mit Werbung überflutet wird, wird mir schlecht. Mit einem Cabrio durch die steirische Landschaft zu gleiten und selbst zu entscheiden, was ich wo machen möchte, hat da aus meiner Sicht mehr Qualität. Ich hoffe, wir werden auch diese Form der Mobilität – nämlich Mobilität als emotionales Thema – im Jahr 2050 noch erleben können.

 

Zur Person:
Wolfgang Vlasaty, Jahrgang 1964, verheiratet, 4 Kinder (3 Buben, ein Mädchen), gebürtiger Grazer, Studium Maschinenbau KFZ-Technik in Graz, Karrierstart bei der Steyr-Daimler-Puch, später Magna Steyr Fahrzeugtechnik, zuletzt Zizala Lichtsysteme als COO. Hobbys: Motorsport, Golf, Skifahren, Radfahren

 

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