Ausgabe 2

Maßarbeit Damenhut – die letzte steirische Meisterin

Die Grazerin Christine Rohr fertigt maßgeschneiderte Damenhüte. Sie ist die aktuell einzige Modellmodisten-Meisterin der Steiermark. Mit einer neuen Akademie will sie das Kunsthandwerk retten.

Christine Rohr (c) Peter Koch ART & MediaEs sind etwa 5.000 Köpfe, die sie in den letzten 22 Jahren aufgeputzt hat. Vom 200-Euro-Fascinator bis zu Hutkreationen, die sich jenseits der 3.500-Euro-Marke befinden. Und alles Einzelstücke. Im Gegensatz zum Hutmacher, der Kopfbedeckungen in Serie herstellt, sind Modisten Einzelanfertiger. Zum Einsatz kommt so ziemlich jedes Material: Samt, Seide, Filz, aber auch Stroh oder Cellophan – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Auch nicht, was die Ausmaße der Kreationen betrifft. Respektables Beispiel: ein Hut für ein Lifeball-Kostüm mit 1,2 Meter Durchmesser der Krempe. Auch das Lager beeindruckt: Etwa 500 Hutformen aus Holz und Material für die nächsten 20 Jahre gibt es hier. Oft auch Dinge, die es im Handel nicht mehr gibt, wie etwa raffinierte Zierbänder.

Rohr-Hüte beim Pferderennen in Dubai
Unbezahlbare Werbung gab es für Christine Rohr kürzlich in der Wüste: Im Frühjahr 2015 wurde sie eingeladen, 50 ihrer Kreationen beim Dubai World Cup zu präsentieren, dem mit 10 Millionen US-Dollar höchstdotierten Pferderennen der Welt. Ein ehrenvolles Angebot, aber auch eine Menge Arbeit. Jeder Hut wird von der Künstlerin selbst designt und gefertigt. „Bis zu 40 Stunden dauert die Anfertigung eines solchen Stückes – Design, Materialrecherche und Anprobe gar nicht mitgerechnet“, so Rohr. Fixe Arbeitszeiten gibt es für sie nicht – und auch kein Delegieren: „Dort, wo Christine Rohr drauf steht, muss zu hundert Prozent Christine Rohr drin – und drauf – sein“, erläutert die Steirerin ihr Credo.

Academy: das Traditionshandwerk erhalten
Neun aktive steirische Modisten zählt die Wirtschaftskammer. Christine Rohr ist die einzige Meisterin. Damit sich das ändert, hat sie die Christine-Rohr-Academy ins Leben gerufen. In zweijähriger Ausbildung am Wochenende gibt sie ihr Wissen in ihrem Atelier in der Grazer Kalchberggasse weiter und sorgt dafür, dass das Kunsthandwerk am Kopf auch in der Steiermark eine Zukunft hat.

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