04/2017

Lernen von den Besten

Silicon Alps-Geschäftsführer Günther Lackner über die Aktivitäten des steirisch-kärntnerischen Mikroelektronik-Clusters, das Pearl River-Delta und Familien als Anker.

Guenther_Lackner © Silicon Alps
Silicon Alps Geschäftsführer Günther Lackner

Silicon Alps ist seit Jänner operativ tätig. Bitte um einen kurzen Rück- beziehungsweise Ausblick.

Günther Lackner: Innerhalb kürzester Zeit nach der Gründung unseres Clusters konnten wir schon über 70 Kooperationspartner gewinnen. Drei der sieben größten Chiphersteller sind zum Beispiel unsere Gesellschafter. In den gemeinsam entwickelten Kernthemen: Ausbildung und HR, Standortentwicklung, Wertschöpfung und Internationalisierung, erfüllen wir den Auftrag unserer Kooperationspartner.

Was bedeutet das im Detail?

Lackner: Im Bereich Ausbildung und HR arbeiten wir daran, Talente für die Region zu gewinnen und die Absolventenzahlen in den MINT-Fächern zu erhöhen. Im Bereich Standortentwicklung setzten wir den Fokus auf die langfristige Vernetzung unserer Partner, was ebenfalls für die Optimierung der Wertschöpfung eine zentrale Rolle spielt. Darüber hinaus ermöglichen wir unseren Partner an internationalen Messen teilzunehmen und sich an unterschiedlichen Delegationsreisen zu beteiligen.

Solche Maßnahmen wirken eher längerfristig. Was tun Sie auf kurze Sicht gegen den Fachkräftemangel in der Branche?

Lackner: Wir gehen in unseren Sommergesprächen direkt auf unsere Kooperationspartner zu. Wir merken, dass verstärkt, internationale Studierende und Fachkräfte ins Land kommen, vor allem aus Indien und Pakistan sowie Spanien und Portugal. Es gilt diese Fachkräfte zu binden und zum Bleiben zu bewegen. Da setzen wir verstärkt auf Familien. Wer mit seiner Familie hierher zieht und unsere Lebensqualität zu schätzen lernt, geht so schnell nicht wieder fort. Dafür brauchen wir mehr internationale Schulen. Vor allem für Spanisch- oder Französischsprachige beispielsweise ist bei uns das Angebot so gut wie nicht vorhanden.

Was ist mit regionaler Standortentwicklung?

Lackner: Hier geht es um die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsleistung der Kooperationspartner. Gerade in den Bereichen Cybersecurity, Vernetzung intelligenter Systeme, Medizintechnik und digitale Stadtentwicklung sehen wir echte Potenziale. Wir unterstützen hier etwa mit internationaler Marktbeobachtung oder Trendscouting und arbeiten clusterübergreifend – international, aber auch mit heimischen Netzwerken wie ACstyria, dem Humantechnogie- oder dem Green Tech Cluster. Übrigens wird ab 2018 die Silicon Alps-Academy starten, in der wir unseren Partnern hochqualitative Ausbildungen günstig anbieten können.

Stichwort Wertschöpfung in der heimischen Mikroelektronik.

Lackner: Wir stärken die Vernetzung der heimischen Unternehmen. Dafür wird es die schon erwähnten clusterübergreifenden Veranstaltungen geben, eine Internet-Plattform, in der sich alle Kooperationspartner präsentieren können und spezielle “Silicon Alps Stage” Events, in denen unsere Partnerunternehmen die Gelegenheit haben werden sich vorzustellen. Es wird auch Events für die Lieferantenentwicklung geben, in denen große Unternehmen kleine informieren, wie sie deren Lieferanten werden können, um nur einige Beispiel zu nennen.

Was passiert für die internationale Wahrnehmbarkeit des Clusters?

Lackner: Wir setzen auf gemeinsame Messeauftritte, etwa bei der Semicon Taiwan in Taipeh oder der Semicon Europe in München. Es läuft auch eine Umfrage unter unseren Kooperationspartnern, welche Messen wir im nächsten Jahr beschicken werden. Es wird auch eine Delegationsreise ins Pearl-River-Delta geben. Die Region um Hongkong und Shenzen entwickelte sich vom Handels- und Tourismuszentrum zum Hotspot der Mikroelektronik mit extrem interessanten Ansätzen für uns. Davon wollen wir lernen.

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