Ausgabe 2

„Nutzen stiften!“ – Onlinemarketingprofi Susanne Hartinger im Interview

Susanne Hartinger, international ausgezeichneter Onlinemarketingprofi, über Textwüsten, gmx-Adressen und den Spaß des Kunden am Surfen.

 

KB_Hartinger052Die Begriffe „Online-Marketing“ und „Content-Marketing“ auf den Punkt gebracht?
Onlinemarketing meint alle Aktivitäten, die eine Firma im Internet bewerben bzw. ein Produkt verkaufen. „Content‟ steht für jegliche Art von Inhalten. Im professionellen Content-Marketing werden diese Inhalte richtig verpackt, in den richtigen Kanälen verbreitet und erreichen punktgenau die Zielgruppe. Hier geht es darum, potenziellen Kunden nützliche Informationen zur Verfügung zu stellen, über die sie dann in weiterer Folge zur Marke oder zum Unternehmen geführt werden.

Was sind Grundregeln des Online-Marktauftritts, die bereits jedes EPU anwenden sollte?
Die Basis ist eine klare Positionierung, wie im konventionellen Marketing. Wer bin ich? Was kann ich? Was macht mich besonders? Dann gilt es, den Content zu finden – also den Stoff, aus dem die Geschichte gemacht ist, die wir erzählen können.

Zudem sollte jedes Unternehmen eine eigene Domain / Website haben, und sei es nur eine Landing Page. Nur so kann ich Inhalt und Form meiner Informationen selbst bestimmen. Die Domain ist auch wichtig für professionelle Mailadressen: Nichts ist schlimmer als Unternehmer, die mit aon- oder gmx-Adressen arbeiten!

Drei schwere / häufige Fehler im Online-Marketing?

  1. Keine klare Zielsetzung: Bevor man eine Website erstellt, sollte man unbedingt klar definieren, was und wen man damit erreichen will!
  2. Eine reine Unternehmensdarstellung: Die Kunden haben in den wenigsten Fällen Interesse daran, zu lesen, wie toll ein Unternehmen ist. Kunden suchen für sie nützliche Inhalte.
  3. Fehlende Sichtbarkeit: Wenn kein oder zu wenig Suchmaschinen-Optimierung (SEO) betrieben wird, ist die Seite nicht auffindbar bzw. sichtbar.

Wir werden täglich mit Informationen überschwemmt. Wie schafft man es, den Kunden nicht zu nerven, sondern neugierig zu machen?
Wie schon gesagt: Nutzen stiften und die Inhalte so gut wie möglich auf den Empfänger zuschneiden.

Stichwort „Big Data‟ – Wie kann ein Unternehmen Datenmaterial bestmöglich nützen?
Wichtig ist es, die Daten wirklich zu verknüpfen: Es geht also eher um Smart Data, statt um Big Data. Und dann gilt es, damit auch zu arbeiten, zugleich aber achtsam im sensiblen Bereich der Privatsphäre zu sein.

Welche Rolle spielen Wortwahl, Bildsprache, Emotionen in der Online-Kommunikation?
Wording und Bildsprache sind in Zeiten, in denen der Content je nach Kanal unterschiedlich gestaltet wird, die übergreifende Klammer, die konsequent das Markenbild transportiert.
Wichtig ist es, authentisch zu bleiben: Bilder und Sprache geben ein großes Versprechen. Werden diese Erwartungen dann in der Realität nicht erfüllt, ist das immer kontraproduktiv.

Salopp könnte man sagen, dass einen die durchschnittliche Firmen-Website nicht gerade vom Hocker reißt. Glauben Sie, dass Betriebe hier Umsatz „liegenlassen“? Wo herrscht Verbesserungspotenzial?
Ja. Ein Qualitätskriterium ist die Usability: Finde ich leicht das, was ich suche? Macht es Spaß, mich auf der Website zu bewegen? „Surfe“ ich von einem Inhalt zum nächsten oder lande ich oft in Sackgassen? Zweitens das Design: Bildsprache und Aufbereitung des Contents sind extrem wichtig. Textwüsten werden nicht wahrgenommen, auch wenn sie noch so informativ sind. Es heißt: Content is king! Wir ergänzen: Erst das Design macht den Content zum „King”.
Komplizierte Abläufe oder Erklärungen wären oft durch kurze Videos einfach abzubilden. Das bewegte Bild ist momentan der Content mit dem höchsten Involvement (d. h., es erregt die meiste Aufmerksamkeit, generiert die meisten Reaktionen; Anm. d. Red.)
Wichtig ist weiters, den „Call to Action“, den Handlungsaufruf, der den User zur Aktivität anregt, prominent zu platzieren und nicht irgendwo im Menü zu verstecken.

Ihr persönlicher Ausblick zu Entwicklung & Trends in den nächsten zehn Jahren?
Die Kommunikationsbranche an sich ist immer im Wandel und oft getrieben von den technischen Entwicklungen und Innovationen. Trotz allem bleiben die Kernelemente bestehen. Sie werden auch in zehn Jahren noch Gültigkeit haben: Ich muss als Unternehmen wissen, wer ich bin, was ich kann und wo ich hin will. Und ich muss ständig überlegen, wie ich meinen Kunden nützlich sein kann. Dann werd ich auch Erfolg haben.

 

Facts:

Susanne Hartinger ist Geschäftsführerin von Hartinger Consulting. Hartinger Consulting wurde beim Deutschen Preis für Onlinekommunikation ausgezeichnet für die „Beste Website“ und war einer der großen Gewinner des „Green Panther Awards“ 2015.

www.hartinger.at

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