Ausgabe 3

Heute am Rechner – morgen auf der Straße

VIRTUAL-VEHICLE_GeneriCar2_Powertrain-01a-web1600Was uns in Zukunft mobilisiert, ist heute schon virtuelle Realität. In Graz wird die Verkehrswelt von morgen wesentlich mitgestaltet.

Stellen Sie sich einen LKW vor, der sein Aussehen je nach Beladung ändert. Bei wenig Ladung senkt sich automatisch das Dach des Laderaums. Das Ergebnis: das Fahrzeug wird niedriger, verringert seinen Luftwiderstand und damit den Spritverbrauch. Wenn mehr zu transportieren ist, kommt ein Anhänger mit eigenem Elektromotor zum Einsatz und erhöht damit Kapazität und Effizienz des Lastwagens – je nach Bedarf. So werden auch ganz normale LKWs zu umweltschonenderen Hybridfahrzeugen. So etwas gibt es nicht? Noch nicht. Das VIRTUAL VEHICLE arbeitet mit heimischen und internationalen Partnern gerade an diesem optimierten Gütertransport mittels modularem LKW.

Virtuelles Fahrzeug
Das TRANSFORMERS genannte Projekt ist nur eines von derzeit alleine 25 EU-Projekten, die im Grazer Forschungszentrum VIRTUAL VEHICLE laufen. Mit über 180 Projektpartnern aus Forschung und Wirtschaft weltweit wird hier die Zukunft unserer Mobilität mitgestaltet. Der Schwerpunkt von VIRTUAL VEHICLE liegt in der Entwicklung virtueller Modelle und neuer Methoden in der Fahrzeugentwicklung. Dabei wird eng mit der Technischen Universität Graz und der Wirtschaft zusammengearbeitet. Diese Bündelung der Kompetenzen ist wohl der Hauptgrund dafür, dass die Steiermark Österreichs Autoland schlechthin ist. In den etwa 220 Mitgliedsbetrieben des heimischen Autoclusters ACstyria arbeiten mehr als 50.000 Menschen. Gesamtumsatz aller Betriebe: mehr als 14 Milliarden Euro – pro Jahr!

Simulation in der Entwicklung
Die Big Player der Automobilwelt setzen auf Know-how made in Styria – und auf virtuelle Simulationen in der Fahrzeugentwicklung. Bevor der erste Prototyp eines neuen Modells entsteht, werden sämtliche Komponenten in unzähligen Computersimulationen getestet. Das spart Entwicklungszeit, Aufwand und damit Kosten. Als Verbindung zwischen virtueller und realer Testwelt hat VIRTUAL VEHICLE die Co-Simulationsplattform ICOS entwickelt, welche durch AVL List weltweit industrialisiert wird. Diese Software führt die Ergebnisse von virtuellen Simulationen und realen Testsystemen bei der Entwicklung von Fahrzeugen zusammen und macht so die Fahrzeugentwicklungwicklung wesentlich effizienter. Der nächste inhaltliche Schritt wird im gerade gestartenden Projekt ACOSAR gesetzt. Dessen Ziel ist die Entwicklung einer standardisiertenSystemschnittstelle, mit der sich Echtzeitsysteme auch über größere Entfernungen hinweg verbinden und zu einem einzigen, gemischt virtuell-realen und funktionalen Prototypen zusammenführen lassen.

Nachhaltige Mobilität

Eines der großen Themen von VIRTUAL VEHICLE ist die nachhaltige Mobilität. Dafür ist die perfekte Abstimmung des Antriebsstrangs, also Motor, Kupplung, Getriebe, aber auch Batterie und Regelungstechnik in Verbindung mit Fahrassistenzsystemen eine der wesentlichen Voraussetzungen. Wie im Projekt „epsilon“, wo das Elektroauto der Zukunft entwickelt wird: ökologisch, sicher, komfortabel und mit großer Reichweite. Eher an den Stadtverkehr wird im EU-LIVE-Projekt gedacht. Ziel ist die Entwicklung eines möglichst günstigen Elektro- oder Hybridfahrzeuges für den Stadtverkehr, das im urbanen Bereich eingesetzt wird. Der modulare Aufbau ermöglicht den Einsatz von möglichst vielen gleichartigen Komponenten in verschiedensten Fahrzeugen, egal ob zwei-, drei- oder vierrädrig. So kann der Preis für so ein Fahrzeug niedrig gehalten werden.

Sicherheit für alle
Nicht nur das Fahrzeug an sich, auch die Menschen darin sind Forschungsthema von VIRTUAL VEHICLE. Um Crash Tests wesentlich aussagekräftiger zu machen, wurde das Verhalten von Passagieren in verschiedenen Fahrsituationen, etwa Notbremsungen, analysiert. Die in Crashtests eingesetzten Dummies haben nämlich einen entscheidenden Nachteil: sie sitzen stoisch im Auto und erwarten regungslos den großen Knall. Das menschliche Verhalten ist ganz anders. Instinktiv verändern wir unsere Sitzposition. Nach mehr als 200 Versuchen gibt es jetzt ein Simulationsmodell, welches Bewegungsreaktionen der Passagiere weitgehend nachbildet. Eingesetzt in zukünftigen Entwicklungen wird es unsere künftigen Autos noch sicherer machen.

Informationen:
www.v2c2.at

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