Ausgabe 4

Great places to work oder: Was macht einen Arbeitsplatz wirklich gut?

Sicherer Job, gute Bezahlung. Klar. Und weiter? Gute Mitarbeiter verlangen heute mehr von ihrem Arbeitgeber. Steirische Unternehmen reagieren darauf mit den unterschiedlichsten Angeboten – und lassen sich von ihren Mitarbeitern bewerten.

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Er ist geradezu legendär: der Wuzeltisch von Google. Doch der ist im Grunde Schnee von gestern. Unternehmen wie der allseits bekannte Internet-Gigant sind permanent auf der Suche nach gut ausgebildeten Mitarbeitern. Und für die lassen sie sich alles mögliche einfallen. Eine grüne Oase mitten im Büro, Radwege im Gebäude, Mitarbeiter-Lounge im Pub-Stil – alles um die Mitarbeiter bei Laune – und damit bei der Stange zu halten. Alles schick, aber nicht essentiell. Was Mitarbeiter wirklich wollen, ist Wertschätzung, weiß Martin Weßel vom „research-team“ aus Graz. „Anerkennung, Feedback – sowohl positiv als auch negativ, aktive Einbindung in Veränderungsprozesse, überhaupt ein offenes Kommunikationsverhalten des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern”, zählt er auf. „Mitarbeiter dürfen nicht erst aus den Medien über Vorgänge im eigenen Unternehmen informiert werden.” Gerechtigkeit ist auch ein großes Thema. Etwa bei Beförderungen oder der Bezahlung. Die Wirksamkeit finanzieller Belohnungen wird übrigens überschätzt. Weßel dazu: „Bonuszahlungen wirken eher kurzfristig. Schnell nimmt man diese Boni als gegeben hin.” Was ist mit dem Wuzeltisch? Ist er also überflüssig? „Bauliche Maßnahmen wie ein Sozialraum, in dem man ungestört die Pause verbringen kann oder auch Begegnungszonen auf den Außenflächen sind sehr sinnvoll. Dort kann natürlich auch ein Wuzeltisch stehen.”

Begleitung von Anfang an
Sich selbst statt Spielfiguren bewegen die Mitarbeiter des Grazer Softwareunternehmens Ranorex, und zwar im hauseigenen Fitness-Center. Das junge Unternehmen für Testautomatisierung wächst kontinuierlich und ist immer auf der Suche nach neuen, hoch kompetenten Mitarbeitern. Ranorex setzt auf die umfassende Begleitung der Mitarbeiter – und das schon vor deren erstem Arbeitstag. „Wir klären bereits im Vorfeld, wie der künftige Kollege oder Kollegin den Arbeitsplatz gestaltet haben will, etwa bei der technischen Ausstattung”, erklärt Human Resource-Managerin Raphaela Haring. „Mentorenprogramme sorgen von Anfang an für die fachliche und persönliche Entwicklung und wir schauen darauf, dass auch die Teams nicht zu groß und damit unübersichtlich werden.” Anfangs wurden die Mitarbeiter in erster Linie über Empfehlungen akquiriert. Mit wachsendem Erfolg und Mitarbeiterbedarf funktioniert das nicht mehr. Employer branding, also das Positionieren des Unternehmens am Markt als attraktiver Arbeitgeber, ist deshalb für Ranorex extrem wichig. „Great Place To Work” ist ein Teil dieser Strategie. Mittels standardisierter und anonymer Mitarbeiter-Befragung werden dabei die beliebtesten Arbeitgeber ermittelt – und die besten davon entsprechend medial dargestellt. So wie Ranorex.

Familie und Beruf
Mitarbeiterzufriedenheit ist Zukunftskapital. Das wissen nicht nur Startups wie Ranorex. Magna Steyr, einer der Gewinner bei „Great Place To Work”, geht beim Angebot an die Mitarbeiter über Dienstzeit und Kollegenkreis hinaus: „Um eine Ausgewogenheit zum beruflichen Alltag zu schaffen, bieten wir unseren Mitarbeitern verschiedene Leistungen und Zusatzangebote an”, erklärt Global Director Human Resources Hansjörg Tutner die firmeneigene Marke „mylife at Magna Steyr”. Die Mitarbeiter können dabei aus einem breiten Spektrum an Leistungen, etwa Sport- und Gesundheitsprogrammen, wählen. „Mit Veranstaltungen wie dem Familientag oder dem Magna Steyr Run, bei dem das Werk in Form eines Marathons erkundet wird, geben wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, auch mit ihren Familien eine tolle Zeit im Unternehmen zu verbringen.” Auch an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat Magna Steyr gedacht. Die „Magna Kids World” ist eine firmeneigene Kinderbetreuungseinrichtung mit Kinderkrippe und Kindergarten.

Neue Organisation
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch beim Spezialisten für Haarverlängerung Great Lengths ein großes Thema. In der Niederlassung in St. Stefan im Rosental arbeiten fast nur Frauen. Der firmeneigene Kindergarten, gesundes Mittagessen, geliefert vom regionalen Gasthaus und die Turngruppe in der Firma sind auf die Mitarbeiterinnen zugeschnittene Angebote. Bei Great Lengths setzt man aber auch direkt im Unternehmen an. „Wir haben uns neu organisiert. Flachere Hirarchien, mehr Mitspracherecht der Mitarbeiter und eine Führung, die auf Vertrauen basiert”, nennt Geschäftsführerin Anita Lafer weitere Gründe für die hohe Mitarbeiterzufriedenheit in ihrem Unternehmen. „Wir richten uns nach den Menschen und nicht nur nach dem Output.” Sichtbarer Beweis dafür ist ein Spitzenplatz im „Great Place To Work”-Ranking. Solche Erfolge sind auch ein Motivationsfaktor für die Mitarbeiter. Anita Lafer: “Sie sind stolz auf ihren Arbeitsplatz und erzählen das auch weiter. Und wir haben eine Kultur entwickelt, in der solche Erfolge auch gebührend zusammen gefeiert werden.”

Größte Jobzufriedenheit
Dass diese Bemühungen der heimischen Unternehmen Sinn machen, zeigt eine groß angelegte Studie der EU-Kommission, in der im Mai und Juni 2015 insgesamt 40.000 Bewohner von 83 Städten und Metropolregionen in 28 EU-Ländern sowie Schweiz, Norwegen, Island und der Türkei zur Lebensqualität in ihrer Heimatregion befragt wurden. Sieger in Sachen Jobzufriedenheit: Graz vor Zürich und Reykjavik.

 

Informationen und Link zur Studie der EU-Kommission:

www.greatplacetowork.at

http://ec.europa.eu/regional_policy/sources/docgener/studies/pdf/urban/survey2015_en.pdf

 

 

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