Ausgabe 2

Grazer leisten Pionierarbeit für das alternative Währungssystem Bitcoin

Bitcoin-Automat-Wien-HbfDas Grazer Start-up-Unternehmen Coinfinity promotet das dezentrale Währungssystem Bitcoin, berät Nutzer und vertreibt das digitale Geld in Österreich.

Euro, Yen, US-Dollar: Währungssysteme, Schwankungen und volkswirtschaftlichen Implikationen werden kontrovers diskutiert. Die digitale Währungseinheit „Bitcoin“ macht keine Ausnahme. Als „Bottom-up“-Erfindung ohne dahinterstehenden physischen Wert wird ihre Sicherheit von Kritikern angezweifelt. Eine wachsende internationale Community jedoch sieht in ihr das Zahlungsmittel der Zukunft – nicht zuletzt aufgrund ihrer Unabhängigkeit von politischen Systemen und Banken. Darunter auch zwei Grazer Jungunternehmer, die die vieldiskutierte Währung nun zu ihrem Geschäftsgegenstand gemacht haben.

2009: Idealistisches Experiment
Historie: Im Jahr 2009 wagte ein anonymer Programmierer unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ ein Experiment. Er erfand eine neue Währung für eine ca. 50-köpfige Community. Das Geld ist bis heute ein open source code , d. h. eine für die Außenwelt zugängige Programmierung mit einsichtigem Regelwerk. Ähnlich Wikipedia oder dem Programmsystem Linux kann jedermann Verbesserungen anregen. Wenn sinnvoll, werden diese von „Core Developern“ umgesetzt. Die Entwickler arbeiten ehrenamtlich bis auf zwei Mitarbeiter des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

“It’s gold for nerds.” (Stephen Colbert, US-Komiker)

5 Millionen Nutzer weltweit
Ursprünglich als IT-Spielerei belächelt, hat sich das Zahlungsmittel sechs Jahre später beachtlich etabliert: Bis zu 5 Millionen Nutzer zahlen heute weltweit mit Bitcoins. Der Wert der Währung wird nicht zentral geregelt, sondern bemisst sich ausschließlich nach Angebot und Nachfrage. Für einen Bitcoin sind heute etwa 260 Euro hinzublättern.

markus-kaiser-sfg-performance-99-2924-originalSchneller und billiger zahlen
„Wir sind überzeugt, dass ein von Wirtschaftspolitik und Banken unabhängiges Zahlungssystem nicht nur ethisch sinnvoll ist, sondern auch Stabilität jenseits globaler wirtschaftspolitischer Dynamiken garantieren kann“, erläutert Coinfinity-Geschäftsführer Max Tertinegg. Die Peer-to-Peer-Zahlungen (Nutzer zu Nutzer, ohne zentrale Verwaltung, Anm.) ermöglichten viel schnellere und kostengünstigere Transaktionen als herkömmlichen Währungen, so Tertinegg. Zudem: „Unternehmer und Händler profitieren davon, dass einmal geleistete Zahlungen im Gegensatz zu Kreditkartenzahlungen o. Ä. nicht rückgängig gemacht werden können. Die Transaktionen sind unumkehrbar.“

“I’m a big fan of Bitcoin … Regulation of money supply needs to be depoliticized.” (Al Gore, Ex-US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger)

Geld aus Automaten und Trafiken
Coinfinity legt seinen Fokus auf (Unternehmens-)Beratung und Vertrieb. 2014 wurde der erste österreichische Bitcoin-Automat in der Grazer Mariahilferstraße aufgestellt. Tertinegg: „In 12 Monaten haben wir 1.600 Transaktionen verzeichnet.“. Einem zweiten Exemplar in Wien sollen weitere in allen österreichischen Landeshauptstädten folgen. Dank Tertinegg und seinem Geschäftspartner Stefan Kliment sind Bitcoins seit Jahresbeginn auch in 600 Trafiken erhältlich. Ausgehändigt wird die Währung in Form eines Bons (Info: www.bitcoinbon.at). Diese sind bei teilnehmenden Personen bzw. Unternehmen (lieferservice.at und heyn.at etwa, oder die Lendplatzgastronomien „Nonna’s“ und „Herr Siegfried“) bares Geld wert.

Das Gesamtaufkommen der Kunstwährung ist mit 21 Millionen Bitcoins begrenzt. Neues Geld kann nur mit immenser Programmier- und Rechenleistung erzeugt werden. Max Tertinegg: „Den Aufwand kann man mit Goldschürfen vergleichen. Es ist prinzipiell möglich, aber schwierig und langwierig.“

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