01/2017

“Gepresste Trauben bleiben analog. Aber mein Chauffeur wird digital.”

Digitalisierung ist derzeit in der Wirtschaft in aller Munde, auch die Steirische Wirtschaftsförderung SFG unterstützt Unternehmen am Weg ins digitale Business. Deren Geschäftsführer Burghard Kaltenbeck im Gespräch über analogen Wein, digitale Chauffeure und die Chancen der Steiermark im Digit-All.

Herr Kaltenbeck, auf einer Skala von 0 bis 100: Wie weit ist die Digitalisierung in der Wirtschaft derzeit fortgeschritten?
Burghard Kaltenbeck: Ich sage, wir stehen derzeit bei 51 – oder ein bisschen mehr. Jedenfalls ist der „Point of no Return“ überschritten, da lässt sich nichts mehr umkehren. Was aber nicht heißt, dass alles digitalisiert wird. Das Pressen von Trauben beispielsweise, das wird immer analog bleiben. Und das Ergebnis dieser Tätigkeit auch. Und die Gefühle, die gepresste Trauben auslösen, auch! Aber wahrscheinlich wird es bald das digitale Fass geben, das intelligent genug ist, dem Winzer zu sagen, wann der Wein den besten Reifegrad erreicht hat.

Welche Chancen und Kompetenzen hat die Steiermark mit ihren Betrieben und Forschungseinrichtungen in der globalen Digitalisierung?
Kaltenbeck: Da stehen wir in manchen Bereichen wirklich in der ersten Reihe – auch international: Zum Beispiel bei Bauteilen oder embedded systems, aber auch in der Near-field communication. Da haben wir herausragende Betriebe von AT&S über NXP bis Infineon. Außerdem tun sich gerade neue Kompetenzfelder in der Steiermark auf, autonomes Fahren zum Beispiel, oder die digitale Bilderkennung.

Wie unterstützt die SFG steirische Unternehmen bei der Digitalisierung?
Kaltenbeck: Wir haben dieser Tage unsere Digitaloffensive gestartet und sehr viele Förderungsaktionen in diesem Bereich angesiedelt. Manche Förderungen wurden den digitalen Erfordernissen angepasst, wie Start!Klar und Profi!Lehre. Andere sind ausschließlich auf die digitale Welt ausgerichtet, zum Beispiel Erfolgs!Kurs oder der bevorstehende Call Silicon Alps. Und wieder andere sollen den Eintritt ins digitale Business erleichtern, etwa Lebens!Nah: Auch für Nahversorger entstehen neue Chancen, wenn sie auf Digitalisierung setzen. Und seien es nur die 100 Leberkässemmeln, die ein Busunternehmer als Jause für seine Fahrgäste bei der nächstgelegenen Fleischhauerei online bestellt.

Wie digital ist Burghard Kaltenbeck persönlich?
Kaltenbeck (lacht): Na ja, körperlich bin ich noch voll analog, und ich verwende auch kaum digitale Hilfsmittel wie Smartwatches oder Ähnliches. Dienstlich bin ich natürlich voll digital … Ja, und in der Freizeit ist es so teils, teils: Meine Musikanlage daheim streamt eigentlich nur noch – wenn auch in guter Qualität –, aber im Garten bin ich gerne und bewusst ganz analog. Wir Menschen brauchen das sowieso, ein bisschen Abstand, ein bisschen Ruhe von der digitalen, schnellen Welt. Die Null und die Eins verstehe ich auch als Symbol, wie wir mit der Digitalisierung umgehen sollten: Immer wieder ein-, aber immer wieder auch ausschalten.

Und Ihr größter Wunsch an die Digitalisierung?
Kaltenbeck: Das selbstfahrende Auto! Ja, darauf freue ich mich schon: Hineinsetzen ins Auto, und der digitale Chauffeur übernimmt, während ich die Fahrzeit für anderes nutzen kann. Ich gehe davon aus, dass das nicht mehr allzu lange dauern wird. Und das selbstfahrende Auto wird mehr können als nur Lenken und Gasgeben. Es wird mir auch den Tisch fürs Abendessen reservieren und mir sagen, wann ich am besten losfahre, um rechtzeitig zum Aperitif im Restaurant zu sein.kaltenbeck selfie

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