02/2018

“Für mehr Chancengleichheit sorgen”

Gerlinde Siml, Leiterin des Förderungsmanagements und Genderbeauftragte der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG, über Frauen in der Wirtschaft, Vereinbarkeit von Job und Familie und neue Förderungsmöglichkeiten.

Siml Gerlinde

Wie stark ist der Faktor Frau in der Wirtschaft?

Gerlinde Siml: Der ist beeindruckend. Derzeit sind mehr als 27.000 steirische Unternehmen in weiblicher Hand. Auf Frauen entfallen fast zwei Drittel aller Unternehmensneugründungen im Land. Besonders erfreulich: auch der Bereich F&E wird immer weiblicher. In der außeruniversitären naturwissenschaftlich-technischen Forschung lag der Frauenanteil 2015 bei 27 Prozent. Zum Vergleich: 2008 waren es nur 21 Prozent.

Was macht die Selbstständigkeit so attraktiv für Frauen?

Siml: Der Wunsch nach Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, aber auch die freie Zeiteinteilung sowie die leichtere Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielen wohl die wesentlichsten Rollen. Wir wissen, dass fast drei Viertel aller Unternehmerinnen die Betreuung ihrer Kinder selbst übernehmen.

Diese Doppelbelastung trifft Unternehmerinnen genauso wie unselbstständig beschäftigte Frauen. Wie könnte die Vereinbarkeit von Job und Familie leichter gelingen?

Siml: Hier können flexible Arbeitszeitmodelle helfen, aber auch die Möglichkeit, einen Teil der Arbeit von Zuhause aus zu erledigen. Gerade die Digitalisierung bietet gute Möglichkeiten dazu. Natürlich darf man nicht alles nur auf die Unternehmen abwälzen. Auch bei den Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen kann angesetzt werden. Es braucht ein Zusammenspiel von Betrieben, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Betreuungseinrichtungen.

Warum werden Frauen oft schlechter bezahlt als Männer?

Siml: Das liegt sicher auch an der Art, wie unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt organisiert sind. Frauen arbeiten öfter als Männer in Jobs, die besser mit der Familienbetreuung vereinbar sind, dafür aber weniger Karrierechancen bieten und unter Umständen auch nicht so gut bezahlt werden.

Also mehr Männer in die Kinderbetreuung?

Siml: Das wäre wünschenswert und es gibt auch gute Vorbilder aus dem skandinavischen Raum, wo es bereits ein ausgewogeneres Geschlechter-Verhältnis in der Kinderbetreuung gibt. Die Wertigkeit dieses Themas muss steigen, schon aufgrund genereller gesellschaftlicher Veränderungen. Immer wichtiger wird auch die Betreuung älterer Familienangehöriger, wo sich bisher auch primär Frauen engagieren. Grundsätzlich sollte es zu einer Aufwertung dieser bis dato unbezahlten Betreuungsleistungen kommen.

Stichwort Frauen und Technik.

Siml: Das ist uns ein großes Anliegen, das auch unsere heurige Take-Tech-Berufserlebnisinitiative für Schülerinnen und Schüler aufgreift. Die steirischen Unternehmen brauchen Nachwuchs, gerade im technischen Bereich. Da muss das Gesamtpotenzial ausgeschöpft werden. Durch die Digitalisierung, etwa in Hinblick auf die Industrie 4.0, verschwimmen die typisch weiblichen oder männlichen Berufsbilder ohnehin immer mehr. Genau hier setzt auch Familien!Freundlich an.

Was ist Familien!Freundlich?

Siml: Diese bald erscheinende Förderungsaktion soll zur leichteren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen und so für mehr Chancengleichheit sorgen. Einerseits wird die Einrichtung und die laufende Betreuung von Telearbeitsplätzen mit 50 Prozent der förderbaren Kosten gefördert, zum anderen die Schaffung attraktiver Arbeitsplätze durch den Ausbau von Sozial- und Sanitäreinrichtungen. Das richtet sich zum Beispiel an Unternehmen, die bisher nur MitarbeiterInnen eines Geschlechts eingestellt haben, weil die Rahmenbedingungen wie separate Dusch- oder Umkleideräume nicht vorhanden waren.

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