04/2018

EFRE hilft Österreich auf die Sprünge

„Legen den Fokus auf Innovation, Klimawandel und Bürgernähe.“

Erich Unterwurzacher, Direktor der EU-Generaldirektion für Regionalpolitik über Entwicklung und Ziele des EFRE, des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

ÖROK/APA-Fotoservice/Juhasz Direktor Unterwurzacher

Welche Bedeutung hat der EFRE für Europa/Österreich/Steiermark?

Erich Unterwurzacher: Der EFRE ist von zentraler Bedeutung für das europäische Projekt. Er beruht auf dem Konzept, den europäischen Binnenmarkt durch Strategien und Projekte zu ergänzen, die sicherstellen, dass alle Mitgliedstaaten, Regionen und auch alle BürgerInnen von der europäischen Integration profitieren können.

Für den Zeitraum 2014–2020  stehen Österreich EFRE-Gelder im Werte von EURO 536 Mio. zur Verfügung. Diese Mittel ermöglichen mithilfe nationaler und privater Unterstützung eine Investitionssumme von über 2 Milliarden Euro. Dies stellt für ein kleines und reiches Land wie Österreich einen signifikanten Beitrag für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Darüber hinaus bietet der EFRE viele Möglichkeiten zur Internationalisierung und zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Auch im sehr wichtigen Bereich der Innovation konnte der EFRE zu mehr Zusammenarbeit sowohl innerhalb Österreichs als auch über die Grenzen hinweg führen. Davon hat die Steiermark gleichfalls als wirtschaftlich starkes und industriell geprägtes Land profitiert.

Was sind die wichtigsten Zielsetzungen des EFRE?

Unterwurzacher: Die Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen den verschiedenen Mitgliedstaaten und Regionen ist nach wie vor ein wichtiger Grundsatz des EFRE. Gleichzeitig ist der EFRE die zentrale europäische Investitionspolitik. Der EFRE hat dazu beigetragen, den wirtschaftlichen Rückstand neuer Mitgliedstaaten (vor allem im Osten) schneller aufzuholen, und während der Finanzkrise notwendige Investitionen unterstützt.

Konkret bedeutet dies, benachteiligte und ärmere Regionen zu fördern, damit sie im europäischen Binnenmarkt und auch global bestehen können. Aber selbst reichere Regionen werden gefördert, denn Europa ist auf Regionen angewiesen, die produktiv und innovativ sind und andere Regionen mitziehen können. Der EFRE soll zudem Mittel bereitstellen, die den Regionen helfen, neuen Herausforderungen wie z. B. Migration und Integration oder dem demografischen Wandel wirksam begegnen zu können.

Wer kann wofür Mittel aus dem EFRE bekommen?

Unterwurzacher: Im Bereich Forschungs- und Technologie-Infrastruktur können Universitäten, F&E-Einrichtungen und Zusammenschlüsse von Forschungseinrichtungen und Unternehmen für den Ausbau von Wissenschafts- und Technologieparks aber auch für Vorbereitungsarbeiten wie Machbarkeitsstudien zum Aus- bzw. Aufbau entsprechender F&E-Kapazitäten EFRE-Mittel bekommen.

Im Bereich betrieblicher F&E-Projekte und Technologie-Transferprojekte können Unternehmen, Arbeitsgemeinschaften von Unternehmen bzw. Arbeitsgemeinschaften von Unternehmen und Forschungseinrichtungen für innovative Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von Unternehmen, die der Entwicklung neuer oder erheblich verbesserter Produkte und Dienstleistungen dienen, EFRE-Mittel bekommen.

Darüber hinaus können Unternehmen für Innovationsberatung und F&E-orientierte Investitionen Mittel aus dem EFRE bekommen. Cluster- und Netzwerkorganisationen können gefördert werden für den Know-how-Aufbau in den Betrieben und für die Unternehmenskooperationen. Auch gibt es Unterstützungsmaßnahmen für Gründungen wie z. B. Beratungs- und Coachingleistungen.

Dies sind Beispiele aus dem wichtigsten Bereich – F&E und Innovation – des österreichischen EFRE-Programms. Des Weiteren werden Energieeffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltige Stadtentwicklung aus dem EFRE gefördert. Empfänger dieser Förderungen sind in erster Linie Schulen, Universitäten, Gebietskörperschaften und öffentliche Einrichtungen.

Mit welchem Zeitlauf müssen FörderungswerberInnen vom Antrag bis zur Auszahlung rechnen?

Unterwurzacher: Dies hängt natürlich von Größe und Komplexität eines Projektes ab. Aber mit ungefähr 10–12 Monaten muss man rechnen.

Wie wirkt der EFRE? Gibt es Erfolgsgeschichten aus der Steiermark bzw. aus Österreich?

Unterwurzacher: Der EFRE wirkt sich in Österreich im Bereich Innovation sehr positiv aus. So konnte mithilfe des EFRE eine österreichweite Strategie für F&E und Innovation geschaffen werden. Die Zusammenarbeit innerhalb Österreichs und auch mit den Nachbarländern wurde in diesem Bereich sehr verstärkt. Ein weiterer Bereich, der für Österreich sehr wichtig ist – der Tourismus- und Kulturbereich –, konnte durch viele Einzelprojekte, aber auch aufgrund der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (Interreg) attraktiver werden. In diesem Zusammenhang sei ein Beispiel erwähnt, das dies sehr anschaulich darstellt:

Die Burg Heinfels, die in den Bergen der österreichischen Region Osttirol liegt, wird dank dem EFRE umfassend saniert. Nach Beendigung der Sanierungsarbeiten wird die Burg für die Öffentlichkeit zugänglich sein, ebenso wie zwei weitere Wahrzeichen im benachbarten Italien, die ebenfalls durch den EFRE finanziert wurden. Damit wird der Tourismus durch die Schaffung eines grenzüberschreitenden kulturellen Netzwerk weiter gefördert.

Gesamtinvestitionen: 1.665.000 Euro      

Beitrag der EU: 326.700 Euro

Wie wird der Brexit sich auf den EFRE auswirken?

Unterwurzacher: Der Brexit, aber auch neue Herausforderungen wie “Sicherung der Außengrenzen”, “Migration” oder “Sicherheit” haben dazu geführt, dass im Kommissionsvorschlag für die zukünftige Kohäsionspolitik die Mittel etwa um 10 % gekürzt werden. Dies wird aber so gut wie keine Auswirkungen auf die zukünftigen EFRE-Mittel für Österreich haben, diese werden in etwa gleich bleiben. Ich wiederhole hier nochmals, dass im Moment nur der Vorschlag der Kommission auf dem Tisch liegt. Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament und den Mitgliedsstaaten haben gerade erst begonnen.

Wie wird der EFRE sich in der nächsten Periode, sprich ab 2021, weiterentwickeln?

Unterwurzacher: Wir möchten zum einen ganz gezielt den Fokus auf Innovation und den Klimawandel sowie Bürgernähe verstärken, gerade auch in den stärker entwickelten Ländern wie Österreich. Gleichzeitig ist es uns sehr ernst mit der Vereinfachung, sprich, den EFRE “nutzerInnenfreundlicher” zu machen, beispielsweise hinsichtlich des Implementierungssystems, der Verfahren oder der Nutzung von Finanzinstrumenten.

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