02/2018Top

Die digitale Harmonika

Der berühmte Maler und Bildhauer Leonardo Da Vinci sagte einst: Der Mensch, das Augenwesen, braucht das Bild. Dass Visualisierungen im 21. Jahrhundert gefragter denn je sind, zeigt ein steirisches Traditionsunternehmen mit einem Softwareprogramm, das Musik(-instrumente) buchstäblich sichtbar macht.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Badezimmer, ohne am Anfang zu wissen, wie es am Ende aussehen wird. Sie kennen zwar die einzelnen Komponenten, können diese aber nicht zu einem stimmigen Bild im Kopf verbinden. Oder Sie haben bei der Planung Ihrer Wunschküche eine genaue Vorstellung und wissen, wie sich das gute Stück in den Raum einfügt, wie sich das Material anfühlt und wo die Elektrogeräte am besten platziert werden. Damit man sich beim Kauf eines Produktes nicht ganz allein auf die Fantasie verlassen muss, gibt es Programme, die vor allem im Einrichtungssektor genutzt werden, um den KundInnen die zukünftige Ware buchstäblich vor Augen zu führen. Warum sollte man diese technischen Möglichkeiten nicht auch dafür verwenden, ein persönliches Musikinstrument mithilfe einer 3-D-Planungssoftware zusammenzustellen? Genau diese Frage hat sich auch Franz Schmidt jun., Geschäftsführer von Schmidt Harmonika-Erzeugung GmbH, gestellt und beschlossen, der eigenen Vorstellungskraft damit auf die Sprünge zu helfen.

Tradition trifft Technik

Franz Schmidt sen. und Franz Schmidt jun. Schmidt Harmonika © Harry Schiffer
Franz Schmidt sen. und Franz Schmidt jun.

Das Traditionsunternehmen mit Sitz in Weinitzen bei Graz wurde von Franz Schmidt sen. im Jahr 1984 gegründet. Der Familienbetrieb wird bereits in der zweiten Generation geführt und befindet sich heute mehr denn je im Spannungsfeld zwischen traditionellem Handwerk und technischem Fortschritt. Hierzulande kennt man die Schmidt-„Quetschn“ nur zu gut, aber auch weit über die Landesgrenzen hinaus erfreut sich das traditionelle Handzuginstrument großer Beliebtheit. Die steirische Harmonika wird am Firmenstandort nahe Graz in hochwertiger Handwerkskunst hergestellt, die meisten Stücke sind Maßanfertigungen mit einer besonderen Liebe zum Detail. „Wir machen keine Instrumente aus Sperrholz, unsere Harmonikas sind aus massivem Holz. Bei uns bekommt man ein Wunschinstrument, das genau auf die Harmonikaspielerin oder den Harmonikaspieler abgestimmt ist. Die meisten unserer Produkte sind auf Bestellung, jede Kundin und jeder Kunde kann sich sozusagen seine eigene Schmidt-Harmonika bauen“, so Franz Schmidt jun.

Eine vierreihige steirische Ziehharmonika kommt auf rund 2.500 Einzelteile, die in Handarbeit zusammengesetzt werden. Neben Klang und Material spielt vor allem auch das Design eine wichtige Rolle und verleiht dem Instrument letztlich auch seine Einzigartigkeit. Daraus entstand schließlich auch die Idee, einen 3-D-Konfigurator zu entwickeln, mit dessen Hilfe man der Harmonika eine persönliche Note verleihen kann, und dabei sieht, ob die einzelnen Komponenten wohl auch optisch zusammenpassen. So können die KundInnen aus verschiedenen Holzarten, Beschlägen, Balg- und Klangfarben auswählen. „Man sieht dann sofort, wie die Harmonika aussehen wird. Das erleichtert die Entscheidungsfindung“, zeigt der Geschäftsführer sich überzeugt und sieht hier insbesondere für den Kundenservice einen zusätzlichen Bonus. „Musik wird immer schon gemacht. Sie ist für viele ein wichtiger Ausgleich und Ausdruck davon, was man fühlt“, so Schmidt, der selbst begeisterter Harmonikaspieler und immer wieder bestrebt darin ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu nutzen. Viel Engagement und Kreativität beweist er dann auch, wenn es darum geht, neue Designs zu kreieren. Mithilfe der Software gelangen diese auf direktem Weg zu den KundInnen – damit das Auge schließlich erfassen kann, was im Herzen bereits angekommen ist.

© Harry Schiffer
Die Schmidt-Harmonika wird noch per Hand gefertigt.

© Schmidt
Mithilfe des 3-D-Programms kann man die Wunschharmonika zusammenstellen.

Wer wächst, braucht Platz! Ab Juni wird das Unternehmen am neuen Standort in Weinitzen zu finden sein, wo neben der Werkstatt auch Schauräume, Verkaufsflächen und eine Musikschule beheimatet sein werden.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.steirische-harmonika.at/

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