01/2019

“Das Logo am Auto allein ist nichts wert.”

Für Stefanie Schöffmann ist moderne Unternehmenskommunikation eine ganzheitliche Aufgabe von Visitenkarte bis zur Raumgestaltung. Dafür macht sie auch vor den Kaffeehäferln ihrer Kundinnen und Kunden nicht halt. Die look! design-Chefin im Interview.

(c) Foto Furgler
Mag. (FH) Stefanie Schöffmann, M.A.

Wofür steht Ihr Unternehmen?

Stefanie Schöffmann: look! design ist eine Agentur für Kommunikationsdesign. Wir bieten Markenentwicklung und -design quer durch alle Medien und Dimensionen. Vom klassischen Erscheinungsbild bis zur Raumgestaltung, was wir als unseren USP sehen. Wir tragen die Unternehmensgeschichte nach außen, aber auch nach innen.

Wie überzeugen Sie Kundinnen und Kunden von diesem ganzheitlichen Ansatz?

Schöffmann: Am Anfang wollen viele einfach ein neues Logo. Nur, das Logo am Auto allein ist nichts wert. Das erzählt keine Geschichte. Unternehmenskommunikation ist im Prinzip emotionales Storytelling auf allen Ebenen bis in die Raumgestaltung. Das ist oft der Anfang eines längeren Prozesses. Allerdings ist es eine Investition, die einen Wert für eine lange Zeit hat. Das wird auch von unseren Kundinnen und Kunden so verstanden. 

Was haben Kundinnen und Kunden, die nur einen Folder wollten, von der raumgestalterischen Neuausrichtung ihres Gebäudes?

Schöffmann: Kreativität und Innovation entstehen, wo Menschen sich treffen und es Orte gibt, an denen sie ins Gespräch kommen. Meetingräume sind die wichtigsten Räume. Wer bequem sitzt, denkt freier und trifft vielleicht andere Entscheidungen. Die emotionale Komponente wird immer wichtiger. Auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die immer mehr Wert auf ein gutes Arbeitsumfeld legen. Stichwort: Employer Branding. Nach außen sowieso: Welchen Eindruck macht unser Besprechungsraum, welche Identität vermitteln wir gegenüber den Kundinnen und Kunden?

Wie wirkt sich das in der Praxis aus?

Schöffmann: Ein Kunde erzählte uns, dass seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach der Sitzung im neuen Besprechungsraum zum ersten Mal nach der Arbeit länger geblieben sind und weiter miteinander geredet haben. Ein positives Ambiente schafft eine positive Stimmung und diese überträgt sich langfristig aufs ganze Unternehmen.

Und wie passt das mit Mediendesign zusammen?

Schöffmann: Egal, ob wir einen Folder oder ein Gebäudeleitsystem für unsere Kundinnen und Kunden gestalten: das Prinzip ist immer dasselbe. Es geht immer um die Strukturierung und Vermittlung von Informationen. Welche Inhalte will ich vermitteln? Was ist relevant, damit diese verstanden werden? Wo platziere ich sie? Es ist Kommunikation auf verschiedensten Ebenen mit unterschiedlichsten Mitteln.

Wie “krempeln” Sie die Unternehmenskommunikation um?

Schöffmann: Wir gehen sehr systematisch vor, mit Analyse, KundInnenfragebogen und Workshops. Natürlich gehen wir ins Unternehmen und machen unsere Beobachtungen. Allein von außen sehen wir schon viele Dinge, die den Unternehmen vor Betriebsblindheit nicht auffallen. Im Inneren führt uns einer der ersten Wege oft in die Kaffeeküche.

Was sagt die Kaffeeküche über ein Unternehmen aus?

Schöffmann: Ein Blick ins Küchenkastl verrät viel über die Unternehmenskultur. Sind alle Häferl gleich oder hat jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter sein eigenes? Wie sind sie angeordnet? Nutzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Küche? Gibt es im Unternehmen Platz für informellen Austausch?

Wie reagieren Kundinnen und Kunden auf Ihre Kücheninspektion?

Schöffmann: Die werden oft nervös und plötzlich fällt ihnen die Vase auf, die schon seit Jahren unbenutzt herumsteht und eigentlich weg gehört. Im Prinzip haben wir noch nicht einmal richtig angefangen, das Unternehmen zu analysieren, und die Kundin oder der Kunde fängt plötzlich an, selbst Dinge zu sehen, die besser gemacht werden könnten. Mit unserem Blick von außen stoßen wir eine Dynamik und schlussendlich einen Veränderungsprozess bei den Kundinnen und Kunden an.

Wie funktioniert Kreativität bei Ihnen?

Schöffmann: Kreativität hat bei uns viel mit Analytik zu tun. Wir beobachten Abläufe genau, bringen verschiedene Dinge zusammen und überlegen, was passiert, wenn man bestimmte Komponenten weglässt oder verändert. Wichtig ist auch der permanente Austausch nach allen Seiten. Wir fragen immer nach Hintergründen, auch wenn sie für den Auftrag an sich vielleicht zuerst nicht relevant erscheinen. Wir wollen das Unternehmen in seiner Gesamtheit verstehen, damit in der Kommunikation ganz komprimiert das drinnen ist, was drinnen sein muss.

Zur Person:

Mag. (FH) Stefanie Schöffmann, M.A. ist Kommunikationsdesignerin und Raumgestalterin. Masterstudium „Ausstellungs- und Museumsdesign“ an der FH Joanneum in Graz
sowie Magisterstudium FH „Intermedia“ an der FH Vorarlberg in Dornbirn.

www.look-design.at

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