05/2018

“Bin ich der Beste für den Job? – Das ist die Schlüsselfrage.”

Eine gute Idee alleine ist noch keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg. Innovationsinvestment-Spezialist Thomas Erkinger über den langen Weg von der Idee zur gelungenen Umsetzung.

Erkinger_Thomas (c) Foto Furgler

Was macht Ihr Unternehmen?

Thomas Erkinger: Die EOSS Industries ist eine Beteiligungsholding und Spezialist für Unternehmensentwicklung. Wir beteiligen uns einerseits an mittelständischen Unternehmen im In- und Ausland und sorgen andererseits dafür, dass innovative Start-ups das richtige Umfeld für nachhaltiges Wachstum bekommen.

Welche Branchen sind für Sie interessant?

Erkinger: Wir halten Beteiligungen vor allem in den Bereichen Health Tech, IT, Kommunikation und Industrie, wobei wir uns insbesondere im Industrie- und Technologiebereich noch stärker engagieren wollen. Der gewerbliche oder Dienstleistungsbereich sind für uns weniger interessant. Hier sind die Geschäftsmodelle selten skalierbar. Grundsätzlich geht es uns immer um die langfristige Perspektive.

Worauf achten Sie beim Innovationsinvestment?

Erkinger: Da muss das Gesamtbild stimmen. Ganz wichtig sind Gründerin oder Gründer. Das muss eine Person sein, mit der man zusammenarbeiten kann. Schließlich engagieren wir uns als enger Partner, als Co-Unternehmer. Nur, wenn wir und die Innovatorin, der Innovator das gleiche strategische Ziel haben, steigen wir überhaupt ein. Natürlich muss das Businessmodell stimmen, und wir müssen beim Unternehmen einen added value einbringen können. Also nicht nur Kapital, sondern auch unser unternehmerisches Know-how.

Wie funktioniert Innovationsinvestment made by EOSS?

Erkinger: Wenn wir uns zu einem Investment entschließen, bilden wir ein Joint-Venture mit der Innovatorin, dem Innovator, bei dem wir die Mehrheit übernehmen. Wir wollen auf alle Fälle mitgestalten. Seit 2003 haben wir uns an mehr als 70 Unternehmen in verschiedensten Branchen beteiligt. Diese Erfahrung bringen wir ins Unternehmen ein. Wir sehen uns als unternehmerischer Think-Tank und entwickeln Strategien, um einer guten Idee auch den ihr zustehenden wirtschaftlichen Erfolg zu verschaffen. Wir schließen im Prinzip alle vorhandenen unternehmerischen Lücken.

Woran erkennt man eine echte Innovation?

Erkinger: Da steckt zumeist jede Menge Recherchearbeit dahinter. Viele vermeintlich neue Ansätze entpuppen sich dann oft als doch nicht so große Innovation. Es geht aber gar nicht immer darum, der Erste zu sein. Manchmal ist es sogar gut, wenn schon Mitbewerb da ist. So erkennt man, dass es Bedarf am Markt gibt. Die Frage ist vielmehr: Löse ich ein Problem und bin ich als Innovator der Beste für den Job?

Wie muss eine gute Innovatorin, ein guter Innovator sein?

Erkinger: Umsetzungsstark, offen gegenüber Neuem, energiegeladen – und vor allem coachable, also das Gegenteil von beratungsresistent. Wir nennen das “Start-up-Kultur”. Die meisten Innovatorinnen und Inovatoren sind Top-Leute in ihrem Fach. Was aber nicht automatisch bedeutet, dass sie auch gute UnternehmerInnen sind. Viele machen zum Beispiel den Fehler, alles selbst machen zu wollen. Häufig scheitern Innovationen ja an der Umsetzung – und nicht am Potenzial der zugrundeliegenden Idee. Gute InnovatorInnen suchen somit nach dem Know-how und den Erfahrungen, die sie ergänzen. Das ist in vielen Fällen wichtiger als das Kapital.

Wie geht eigentlich Innovation?

Erkinger: Dinge von Grund auf neu denken. Innovation passiert meist, wenn sich Menschen an einen Tisch setzen und zu diskutieren beginnen. Da haben wir im Team bei EOSS den Vorteil, dass wir ständig Einblick in unterschiedlichste Unternehmen, unterschiedlichste Branchen haben. Jede hat ihre eigenen Marktstrategien, Businessmodelle, Prozesse und so weiter. Das motiviert zum Querdenken. Und häufig können wir beobachten, wie sich Innovationen dann aus schnellen Branchen, wie etwa der IT, oft erst nach Jahren auf die langsameren und kapitalintensiveren Branchen umlegen. So können Sie schon seit einer gefühlten Ewigkeit Drucker mieten, anstatt diese zu kaufen und dann nur die gedruckten Seiten bezahlen. Weit mehr als ein Jahrzehnt später staunt man trotzdem über Rolls Royce, wo man neuerdings Flugzeugturbinen nach geflogenen Stunden bezahlen kann.

Sie helfen, Unternehmen zu entwickeln und verkaufen sie in vielen Fällen nach einer gewissen Zeit wieder. Gibt es da so etwas wie Trennungsschmerz?

Erkinger: Fast immer. Wir bauen mit den InnovatorInnen ihr Unternehmen auf. Wir kümmern uns oft um betriebswirtschaftliche und – noch wichtiger – um alle strategischen Belange. Wenn es sein muss, gehen wir in die Unternehmen und hackeln richtig mit. Da entstehen im Laufe der Jahre enge Beziehungen, und oft ist es schwer, loszulassen. Natürlich ist es auch schön zu sehen, wie sich die Unternehmen entwickelt haben und sie in eine erfolgreiche Zukunft zu entlassen.

Wie innovativ ist die steirische Wirtschaft?

Erkinger: Die steirische Innovationskraft kann sich wirklich sehen lassen. Zwar brauchen unsere Technologie-Start-ups ab einem gewissen Level zumeist einen globalen Player aus dem Ausland, um weiter florieren zu können, aber das Know-how am Standort vergrößert sich oft sogar noch. Was uns jedoch Sorgen bereitet, ist die Dynamik der jungen Arbeitskräfte. Eine Gründerin oder ein Gründer brauchen hungrige MitstreiterInnen, die etwas erreichen wollen. Hier stehen wir am Standort vor einer großen Herausforderung. Der positive Aspekt dabei ist die Internationalisierung: Neben dem Business werden nun auch die Teams bereits in einem sehr frühen Stadium global.

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