Ausgabe 2

Bauer macht blau: Hightech-Lösungen im Stall

Wer bei Landwirtschaftstechnologie nur an Melkmaschinen und Traktoren denkt, hat die letzten 20 Jahre verschlafen. Steirische Unternehmen entwickeln Hightech-Lösungen, die auf Bauernhöfen weltweit zum Einsatz kommen.

RMAAntdlFOuc4r513tWbfw3iBJO6qIqQXDmIl3oAb3oAutomatisierung und Digitalisierung der Landwirtschaft sind in vollem Gang. Immer weniger Menschen bewirtschaften immer größere Höfe mit immer mehr technischem Aufwand: Arbeiteten 1980 noch über 600.000 Österreicherinnen und Österreicher in 318.000 Land- und Forstwirtschaften, waren es 2010 nur noch 413.000 Menschen in 173.000 Betrieben. Nahezu verdoppelt hat sich indes die durchschnittliche Betriebsgröße von 24,8 auf 42,4 Hektar. Wo die Bauernfamilie früher mit Mistgabel und Scheibtruhe gemeinsam Hand anlegte, findet sich heute ein automatisierter Kuhstall mit Fütterungsautomat, Mist-Förderbändern und Melkrobotern. Viele technologische Entwicklungen kommen aus der Steiermark.

Sensor in der Kuh
Hightech erschließt heute selbst Tiermägen: Spezielle Sensoren im ersten Magen der Kuh, dem Pansen, übermitteln permanent Echtzeit-Daten zum Gesundheitszustand des Tieres. PH-Wert oder Körpertemperatur liefern die Grundlage für die Optimierung der Fütterung oder für Krankheitsprävention. Das System des Grazer Unternehmens Smaxtec, dessen Wurzeln im Sciencepark liegen, ist inzwischen weltweit im Einsatz.

Wetterwarnung via SMS
Auf das Wetter und den Boden hat sich Pessl Instruments spezialisiert. Die Wetterstationen des Weizer Unternehmens messen und analysieren Wetterdaten und warnen dann via SMS vor Regen, Hagel, Frost und sonstigen Gefahren für die Pflanzen. Das Prinzip lässt sich auch im Stall anwenden. Spezielle Messstationen analysieren das Raumklima. Daraus lassen sich Rückschlüsse über den Gesundheitszustand der Tiere ziehen. Mittels Kamerasystem, das täglich Bilder vom Feld über das Internet schickt, können auch weit entfernte Äcker überwacht werden. In Entwicklungs-Endphase bei Pessl Instruments ist gerade ein System, das es dem Bauer ermöglicht, selbst und in wenigen Minuten eine Analyse seines Ackerbodens zu machen. So können Düngemittel optimal eingesetzt und die Qualität der Böden verbessert werden.

Drohnen und fahrerlose Traktoren
In der landwirtschaftlichen Lehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein in Irdning werden neben GPS-gesteuerten Traktoren, die theoretisch keinen Fahrer mehr brauchen, auch Drohnen für die Analyse von Herdenbewegungen oder Analyse von Ernteschäden, Pflanzenwuchs oder Schädlingsbefall getestet. Die kommen schön langsam in der bäuerlichen Realität an: Die Raiffeisen-Lagerhäuser bieten ab sofort eine Drohne für die Analyse von landwirtschaftlichen Flächen und ein spezielles Fahrzeug für die automatische Bodenprobeentnahme als Service für die heimischen Bauern an.

 

 

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